Innsbruck. (apa/art) Die Führung bei der Vierschanzentournee musste er mit seinem dritten Platz beim Neujahrsspringen in Garmisch an Kamil Stoch abgeben, für die beiden abschließenden Bewerbe in Innsbruck und Bischofshofen ist er aber guter Dinge: Oberstdorf-Sieger Stefan Kraft geht mit nur 0,8 Punkten Rückstand auf Stoch in den zweiten Teil der Tournee. "Das ist so gut wie nichts", sagte der bisher letzte österreichische Sieger der Traditionsveranstaltung. An den Bergisel in Innsbruck, wo nach einem Ruhetag am Dienstag die Qualifikation und am Mittwoch der dritte Bewerb stattfindet (jeweils 14 Uhr) hat der Salzburger gute Erinnerungen: Zwar hat er hier noch kein Springen gewonnen - der bisher letzte von insgesamt 13 rot-weiß-roten Siegen gelang Gregor Schlierenzauer im Jahr 2013 -, aber immerhin seine ersten Weltcuppunkte geholt. "Dort vor den Fans in den Kessel zu springen, ist etwas ganz Spezielles. Es ist berührend, wenn man in das Fahnenmehr schaut. Hier habe ich immer gute Sprünge gezeigt", sagte der 23-Jährige.

Auch zuletzt hat Kraft gute Leistungen abgerufen - dass es auf der bisher wenig geliebten Schanze in Garmisch nicht mit dem Sieg geklappt hat, den sich schließlich der Norweger Daniel André Tande vor Stoch sicherte, beunruhigt ihn nicht. "Früher habe ich mich immer unwohl gefühlt, wenn ich hergekommen bin. Dass es jetzt hier zum ersten Mal fürs Stockerl gereicht hat, ist megacool", versicherte er. "Es war ein perfekter Start ins neue Jahr."

Mann des Tages war aber Stoch, der als Fünfter nach dem ersten Durchgang im zweiten einen 143-Meter-Flug auspackte und damit nur um einen halben Meter den sieben Jahre alten Schanzenrekord von Simon Ammann verpasste. "Es war ein unglaublicher Moment. Ich habe es so genossen und hätte mir gewünscht, dass der Flug nie aufhört", sagte der 29-Jährige über seinen Sprung, der auch Kraft Respekt abverlangte. "Ich weiß nicht, wo er die 143 Meter ausgegraben hat", meinte Kraft zur Leistung seines Rivalen.

Tande in Lauerstellung

Der Doppelolympiasieger von 2014 hat heuer unter dem Tiroler Trainer Stefan Horngacher wieder zu alter Form gefunden und ist nun ein heißer Anwärter auf den Gesamtsieg, zumal auch ihm die 2002 nach einem Design der im Vorjahr verstorbenen Star-Architektin Zaha Hadid neu errichtete Bergiselschanze liegt. 2014 war er hier schon Dritter, im Jahr davor Zweiter. Dass er das Potenzial zum Gesamtsieg hat, wusste Horngacher schon davor: "Kamil ist ein akribischer Arbeiter, er ist heiß. Ihm ist alles zuzutrauen, er kann die Tournee gewinnen", hatte Horngacher in Oberstdorf gemeint, wo Stoch ebenfalls Zweiter war. Kann er die Konstanz bewahren, könnte er sich zum zweiten polnischen Tourneetriumphator nach Adam Malysz in der Saison 2000/01 krönen. So weit will Stoch selbst noch nicht denken, "aber der zweite Teil der Tournee könnte spannend werden", meinte er.

Der Dritte im Bunde der Anwärter ist neben Kraft auch der Norweger Daniel André Tande, der Sieger vom Sonntag. Der 22-Jährige geht jetzt mit 6,6 Punkten Rückstand auf Stoch in die zweite Halbzeit, er war neben Domen Prevc heuer auch im Weltcup der konstanteste Springer. Prevc indessen konnte seine bisher in diesem Winter gezeigten Leistungen ausgerechnet beim ersten Saisonhöhepunkt nicht bestätigen, der 17-Jährige Bruder des Vorjahressiegers Peter ist in der Gesamtwertung derzeit abgeschlagener Zwölfter - und liegt damit auch hinter den weiteren Österreichern Michael Hayböck und Manuel Fettner, die die Plätze sechs und sieben belegen. Auch für sie wird es in den ausstehenden beiden Bewerben nur noch um Tageserfolge gehen. Kraft indessen kämpft noch um seinen zweiten Gesamtsieg nach 2014/15, mit der eine beeindruckende rot-weiß-rote Erfolgsserie von sieben aufeinanderfolgenden Siegen vorerst endete.