Wien/Kitzbühel. Vor den Toren der legendären Seidlalmhütte am Hahnenkamm in Kitzbühel stand einst ein VIP-Zelt des österreichischen Telekomriesen A1. Der Aufwand, mit dem die geheizte Partyzone für die exklusiven Gäste des Konzerns wörtlich in den meterhohen Schnee gestampft worden war, ließ damals, 2005, nur einen Schluss zu: Hier wurde viel Geld in die Hand genommen. Den VIPs sollte ja an nichts fehlen. Das begann bereits mit der Anfahrt per Bus von Wien nach Kitzbühel (mit Übernachtung im Vier-Sterne-Hotel in Salzburg) und endete mit einer exklusiven SUV-Taxifahrt durch die malerische Schneelandschaft bis zur Seidlalm. Dass die A1-Gäste am Ende des Tages vom Skirennen selbst nichts hatten - die Abfahrt 2005 musste wegen starken Schneetreibens abgesagt werden - tat der fröhlichen Stimmung im A1-Zelt keinen Abbruch. Hauptsache, man war dabei.

An dieser Einstellung hat sich seither kaum etwas geändert. Die Sponsoren von damals sind noch jene von heute, und auch das Geld fließt mehr denn je. Und das nicht nur in die aufwendige Betreuung von VIPs, Stars und Sternchen, die ja eigentlich nur dazu da sind, um die eigene Marke aufzupolieren, sondern auch in medienwirksam inszenierte Firmenpartys wie die "A1 Kitz Night" oder die "Audi Night". Die Telekom und der deutsche Fahrzeughersteller Audi zählen daher auch zu den größten Sponsoren in Kitzbühel. Während A1, wie das "Wirtschaftsblatt" einmal errechnete, jährlich zwischen 750.000 und einer Million Euro nach Tirol überweist, sollen es im Fall von Audi sogar 1,5 Millionen Euro sein. Aber auch die Manager von Red Bull, Mastercard, Interwetten, BWT und der Generali gehen hier laufend bei den VIP-Bereichen ein und aus. Am längsten dabei - nämlich seit 20 Jahren - ist der Bierbrauer Gösser, der sich die Vermarktung des Gerstensaftes beim spektakulärsten Skirennen der Welt ebenfalls knapp eine Million kosten lässt. Warum, gibt Gösser-Geschäftsführer Andreas Stieber offen zu: "Unser Engagement in Kitzbühel verschafft uns Präsenz in der Öffentlichkeit und kurbelt auch den Absatz an."

Für den Veranstalter, den Kitzbühler Ski Club (KSC), zahlt sich das Engagement der acht Hauptsponsoren jedenfalls aus, fließen doch auf diese Weise allein schon rund 6,5 Millionen Euro dem Budget zu. Das sind immerhin 35 Prozent der Gesamteinnahmen und entspricht in etwa auch den jährlichen Organisationskosten. Der Löwenanteil bei den Einnahmen - neben dem Ticketverkauf (20 Prozent) - stammt freilich aus dem Verkauf der Fernsehrechte an die European Braodcasting Union mit 56 Rundfunkanstalten, der dem KSC immerhin ein Körberlgeld in der Höhe von rund acht Millionen Euro, also 40 Prozent des Umsatzes, beschert. Neben dem Absatz gewinnt man so auch bei der Präsenz, werden doch die Rennen der Streif nicht nur im Zielraum von rund 90.000 Zuschauern verfolgt, sondern in 130 TV-Sendestunden in bis zu 450 Millionen Haushalte übertragen. Womit auch bewiesen ist: Einen höheren Werbewert als das Ski-Wochenende in Kitzbühel schafft kein anderes Wintersport-Event. Aber auch die Region darf sich über eine Umwegrentabilität von 40 Millionen Euro freuen. Im Vorjahr lag die Zimmerauslastung bei fast 100 Prozent.

Dafür, dass bei Sponsoring und Vermarktung alles glattgeht, ist seit Jahren der frühere Skirennläufer und nunmehrige Unternehmer Harti Weirather mit seiner Sportwerbeagentur WWP verantwortlich. Im Gegensatz zu den Vorjahren, als ihm immer wieder Wind, Wetter und schwere Stürze die Show vermiesten, geht er heuer gut gelaunt ins Kitz-Wochenende. Nicht nur hat seine Tochter Tina die Weltcup-Abfahrt von Zauchensee als Zweite beendet, sondern scheint auch das Kitzbühel-Programm nicht durch meteorologische Unwägbarkeiten - der Wetterbericht verspricht für die kommenden Tage Traumwetter - beeinträchtigt werden. Denn die seien nicht gut fürs Geschäft, wie er der "Tiroler Tageszeitung" sagte. Vor allem aber dürften ihm heuer die Diskussionen mit Sponsoren, die regelmäßig wegen Wetterkapriolen, Verschiebungen und Rennunterbrechungen jammern, erspart bleiben. "Das Wetter war oft eine Zitterpartie", sagt Weirather. "Aber es ist ein Freiluftsport. Das wissen die Partner."

Die VIP-Gäste von A1 dürfen sich diesmal also auf ein sonniges Wochenende einstellen. Ein kurzer Besuch auf der Seidlalm geht sich da vielleicht aus, wenn nicht vorher der Kater zuschlägt.