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Melbourne. (art) Als Damen- und Herren-Finale eines Grand-Slam-Turniers zum bisher letzten Mal in dieser Konstellation ausgetragen wurden, war Alfred Gusenbauer noch österreichischer Bundeskanzler, Usain Bolt noch nicht Olympiasieger, Twitter gerade noch in der Entwicklungsphase und nicht die bevorzugte Kommunikationsform eines US-Präsidenten, der damals übrigens noch George W. Bush hieß. Es ist viel passiert seit den French Open 2008, als einander bei den Damen Venus und Serena Williams und bei den Herren Roger Federer und Rafael Nadal gegenüberstanden, und doch fühlen sich Tennis-Fans geradezu zwangsweise in diese Zeit zurückversetzt. Denn Williams gegen Williams und Federer gegen Nadal lauten nun auch die Endspiele am Samstag und Sonntag (jeweils 9.30 Uhr MEZ/Eurosport) bei den Australian Open in Melbourne.

Nadal hat sich am Freitag als letzter Spieler qualifiziert, die Nummer neun der Weltrangliste bezwang den Bulgaren Grigor Dimitrow in einem wahren Thriller über fast fünf Stunden mit 6:3, 5:7, 7:6, 6:7, 6:4. Wieviel Substanz er dabei verbraucht hat, wird wohl auch über sein Leistungsniveau am Sonntag entscheiden. "Erst einmal bin ich glücklich und hoffe, mich gut zu erholen", sagte der Mallorquiner. Ebenso wie bei Federer und Venus Williams am Tag davor war sein Finaleinzug nach den Verletzungen und Zwangspausen der vergangenen Jahre eine Überraschung. "Ich hätte nie gedacht, dass ich jetzt schon so weit bin", sagte der 30-Jährige. Fast exakt mit den gleichen Worten hatte Federer seinen Erfolgslauf kommentiert.

Dass die beiden Langzeitrivalen nun im direkten Duell um ihren 15. (Nadal) beziehungsweise 18. (Federer) Grand-Slam-Titel spielen, macht die Sache noch spezieller. "Es ist ein großes Privileg, noch einmal auf dieser Ebene gegen ihn spielen zu können", erklärte Nadal, der auch davon berichtete, wie aus der ewigen Rivalität fast so etwas wie Freundschaft wurde. "Er war erst vor kurzem bei der Eröffnung meiner Tennis-Akademie in Mallorca. Ich kann ihm nur dankbar sein. Wir haben ein paar Schläge mit den Kindern gespielt und noch gescherzt, dass wir wieder einmal gegeneinander antreten wollen. Dass es hier soweit sein würde, daran hätte ich in diesem Moment aber nie gedacht."

Nadals Weg zurück ist allerdings alles andere als ein Zufallsprodukt. Schon nachdem er die Saison im Oktober wegen Handgelenksproblemen beenden und damit auf das World-Tour-Finale verzichten musste, sagte er in einem Interview mit der englischen Zeitung "The Times", er sei "bereit zu sterben, um wieder an die Spitze zu kommen".

Federer und Nadal haben eine Ära geprägt, insgesamt schon 34 Mal gegeneinander gespielt - im direkten Vergleich führt der Spanier 23:11 -, sich legendäre Matches in Grand-Slam-Finalspielen geliefert, darunter den Fünfsätzer bei den Australian Open 2009, nach dem der unterlegene Federer Nadal unter Tränen zum Sieg gratulierte. Die bisher letzte Begegnung auf dieser Ebene war bei den French Open 2011, als ebenfalls Nadal als Sieger vom Platz ging. Drei Jahre später feierte er wieder in Roland Garros, das lange als sein Wohnzimmer galt, seinen bisher letzten Major-Triumph, seither kam er nie über ein Viertelfinale hinaus - bis jetzt.