Manama. Gianni Infantino machte den Donald Trump des Fußballs: Mit scharfen Worten beklagte sich der Fifa-Präsident am Donnerstag auf dem Kongress in Manama über einen angeblich unfairen Umgang mit dem Fußball-Weltverband Fifa und seiner Person. Vor der umstrittenen Neubesetzung der Ethikkommission sagte Infantino: "Es gibt viele Fake News und alternative Fakten" rund um die Fifa. "In gewissen Ländern ist dieses Fifa-Bashing zum Volkssport geworden", sagte der Schweizer.

Infantino wies darauf hin, dass man eine Organisation übernommen habe, die auf dem Tiefpunkt gewesen sei. "Wir sind dabei, den Ruf der Fifa neu aufzubauen. Die neue Fifa ist eine Demokratie, keine Diktatur", ergänzte er. Infantino war schon im ersten Jahr seiner Präsidentschaft unter Druck geraten. Den Ruf des Reformers, als der er nach der Ära von Sepp Blatter angetreten war, konnte er nicht lange aufrecht erhalten. Zuletzt gab es deutliche Kritik an der Entscheidung, den deutschen Richter Hans-Joachim Eckert und den Schweizer Chef-Ermittler Cornel Borbély als Spitzen der Ethikkommission abzusetzen. Mit großer Mehrheit von 97 Prozent wurden nun die Kolumbianerin María Claudia Rojas als neue Chef-Ermittlerin und der ehemalige Präsident des Europäischen Gerichtshofes, Vassilios Skouris aus Griechenland, als Vorsitzender der rechtsprechenden Kammer vom Kongress bestätigt.

WM-Vergabe im nächsten Jahr


"Alle Regionen" sollten vertreten sein, begründete Infantino die zahlreichen Änderungen in den Gremien. Zuvor sagte er in deutscher Sprache in seiner Rede: "Die Fifa ist kein deutsch-schweizer Verein." Der ebenfalls renommierte Portugiese Luis Miguel Poiares Maduro wurde als Chef der Governance Kommission abgesetzt und durch den Inder Justice Mukul Mudgal ersetzt.

Trotz des klaren Votums bleiben die Diskussionen: Denn bei der Absetzung der Fifa-Ethikchefs könnte es zu einem Verstoß gegen die Statuten des Weltverbands gekommen sein. Die personelle Liste für die Besetzung der Kommissionen habe nicht wie vorgesehen vier Monate vor der Wahl der Fifa-Generalsekretärin Fatma Samoura vorgelegen, bestätigten Fifa-nahe Quellen. Dies wird damit begründet, dass es damals nicht ausreichend Vorschläge durch die Konföderationen gegeben hätte. Die Kongress-Entscheidung könnte nach Ansicht von Experten angefochten werden.

In einer weiteren Abstimmung wurde der Zeitplan für die Vergabe der WM 2026 beschlossen. Der Zuschlag für das erste Turnier mit 48 Teilnehmern soll im kommenden Jahr erfolgen. Potenzielle Kontrahenten der gemeinsamen Bewerbung der USA, Kanadas und Mexikos haben drei Monate Zeit für eine Kandidatur. Verbände aus Europa und Asien sind aber als Gastgeber wegen der WM 2018 in Russland und 2022 in Katar ausgeschlossen.