Nyon. (art) Was lange währt, wird endlich gut? Nicht so für Fußballfans, die bisher die Champions League im frei empfangbaren Fernsehen konsumiert haben. Denn nach langwierigen Verhandlungen ist nun besiegelt, was schon lange gemunkelt wurde: Ab der Saison 2018/19 wandert die Champions League komplett ins Bezahlfernsehen beziehungsweise auf den Streamingdienst Dazn. Sky hat die Rechte für drei Saisonen erworben, Dazn bekommt eine Sublizenz und wird einzelne Spiele - wie viele, ist noch nicht bekannt - zeigen. Auch die Höhe der Summe, die dafür an die Uefa fließt, ist nicht bekannt, Branchenexperten gehen davon aus, dass es mehrere hundert Millionen Euro sind.

"Die bieten nicht das Doppelte, sondern das Zigfache von uns", hatte ORF-Sportchef Hans-Peter Trost schon vor einigen Wochen gemeint. Dass es nun tatsächlich so kam, war für ihn "keine große Überraschung", wie er nun zur Austria Presse Agentur sagte. "Der Trend geht da hin, dem müssen wir uns stellen." Enttäuscht zeigte man sich indessen beim ZDF, das ebenfalls ein Angebot abgegeben hatte. "Für Fußballfans ist das eine schlechte Nachricht. Europäischer Spitzenfußball wird zu einem exklusiven Angebot für deutlich weniger Zuseher als bisher", meinte Intendant Thomas Bellut.

Tatsächlich bedeutet der Vertrag eine Zäsur: Erstmals in der Geschichte der Champions League werden in Deutschland und Österreich keine Spiele im frei empfangbaren TV zu sehen sein. Die öffentlich-rechtlichen Sender dürfen nur noch in der kommenden Saison Spiele übertragen. Der ORF zeigt die Königsklasse seit 2015 wieder, nachdem sich zuvor Puls 4 (ab 2012) die Rechte gesichert hatte. Ab 2018 ist nun erstmals Schluss mit Europacup im ORF. Zwar ist das Rechtepaket für die Europa League noch nicht vergeben, der ORF hat darum aber nicht mitgeboten.

Zuvor hatte Europas Fußball-Verband bereits in Großbritannien nach übereinstimmenden Medienangaben einen Rekord-Vertrag in Höhe von mehr als 1,2 Milliarden Pfund (1,38 Milliarden Euro) mit BT Sports abgeschlossen. Sky ging auf der Insel leer aus, nun ist die Freude beim Unternehmen groß. Der Pay-TV-Sender bekommt mehr Exklusivität und hat mit dem Deal einen neuen Konkurrenten eingebunden. Da Dazn nur Sublizenz-Nehmer ist, dürfte Rechtegeber Sky entscheiden, welche Spiele er exklusiv zeigt. "Wir sind mit dem Ausgang der Rechte-Ausschreibung sehr zufrieden", sagte Sky-Chef Carsten Schmidt.

Reform ab 2018

Für die Uefa bedeutet dies noch mehr Einnahmen - damit aber auch mehr Geld, das man an die teilnehmenden Vereine ausschütten kann. In dieser Saison waren es insgesamt erstmals mehr als 1,3 Milliarden Euro. Während sich die Vereine der großen Ligen, die ab der Saison 2018 auch mehr Fixstarter stellen, also freuen können, befürchten Vertreter der kleineren Fußballländer eine weitere Vertiefung der Kluft zur absoluten Spitze. Allerdings wurden auch die Prämien für die Europa League in den vergangenen Jahren sukzessive angehoben: Rapid kassierte etwa in der Saison 2015/16, als man die Gruppenphase überstand, 10,633 Millionen Euro von der Uefa.