In Spielberg gab es für Valentino Rossi zuletzt nicht viel zu holen. - © Jure Makovec/afp
In Spielberg gab es für Valentino Rossi zuletzt nicht viel zu holen. - © Jure Makovec/afp

Silverstone. Man konnte sie von weither erkennen, an jeder Bahnstation, in den Beisln des gesamten Bezirks, auf dem Weg zur Rennstrecke und erst recht an derselben, an der auch eine Tribüne nach ihm benannt ist: überall gelb-blau gewandete Personen mit Fahnen, Kappen und Gesichtsbemalungen in denselben Farben, überall die Nummer 46, überall Fans von Valentino Rossi.

Als vor zwei Wochen die MotoGP in Spielberg gastierte, mutierte der kleine Ort in der Steiermark zum Rossiland. Dass der Italiener mit der Startnummer 46 auf seiner Yamaha nur als Siebenter über die Ziellinie fuhr, mit dem packenden Kampf um Platz eins zwischen dem Sieger Andrea Dovizioso und WM-Titelverteidiger Marc Márquez nichts zu tun hatte, sorgte für wenig Beunruhigung. "Die Strecke liegt Yamaha nicht, in Silverstone schaut die Sache schon wieder ganz anders aus", hieß es. Am Wochenende ist es soweit, die Motorrad-WM macht Station im Home of British Motor Racing - und ungeachtet seines Abschneidens wird "der Doktor" auch dort besonders im Blickpunkt stehen. Denn einen Rekord wird sich der 38-Jährige schon alleine mit seinem Antreten im Grand Prix am Sonntag (16.30 Uhr/Servus TV) sichern: Als erster Fahrer wird er die magische Marke von 300 Starts in der obersten Kategorie des Zweiradsports knacken.

Aktuell WM-Vierter

Rekorde hat der insgesamt neunfache Weltmeister - sieben Titel holte er in der höchsten Klasse - schon viele eingefahren, dennoch ist dieser etwas Besonderes, zeigt er doch die Konstanz auf, die Rossi auch gegen Kollegen, die beinahe seine Söhne sein könnten, an den Tag legt. 17 Jahre nach seinem ersten Sieg in der damaligen 500-ccm-Klasse - gefeiert ebenfalls in Großbritannien, allerdings im Donington Park - ist er immer noch für Erfolge gut. Heuer gewann er etwa das Traditionsrennen in Assen.

Seit damals allerdings stand Rossi nicht mehr auf dem Stockerl - was sich in Silverstone ändern soll. "Ich hoffe auf ein positives Wochenende und dass ich ums Podium mitfahren kann", sagt er. Ein eintägiger Test in Misano soll das Team weitergebracht haben, zudem freut er sich auf Silverstone, wo er vor zwei Jahren in einem Regenrennen triumphiert hat. "Es ist eine schöne Strecke, die viel Spaß macht, aber auch sehr herausfordernd ist", wird Rossi, der auf einen reichlichen Erfahrungsschatz zurückblicken kann, auf motogp.com zitiert. "Sie ist sehr lang, mit vielen schnellen Richtungswechseln. Wichtig wird vor allem sein, für die Bremszonen und die schnellen Kurven die perfekte Abstimmung zu finden." Seinem Fahrstil komme die Strecke jedenfalls entgegen.

Will Rossi acht Jahre nach seinem bisher letzten Titel um einen weiteren mitmischen, müssen nun allerdings Taten Folgen. Denn in einer der wohl spannendsten Saisonen liegt er sieben Rennen vor Schluss aktuell 33 Punkte hinter dem Führenden Márquez, der nach einem verpatzten Saisonstart eine eindrucksvolle Serie hingelegt hat; dazwischen sind noch Dovizioso sowie Rossis Yamaha-Teamkollege Maverick Viñales placiert. Der Spanier, in Spielberg unmittelbar vor Rossi Sechster, hat auch schon einen Favoriten, sollte er nicht selbst am Sonntag ganz oben stehen. "Dann wünsche ich mir, dass Valentino gewinnt", sagt er. "Yamaha muss gewinnen, wir sind ein Team."

Auch den Großteil der Motorrad-Fans würde das freilich freuen. Denn unter ihnen ist die Nummer 46 auch beim 300. Start noch immer die Nummer eins.