Wien. (rel) Es dürfte eine der letzten Personalentscheidungen von Sportminister Hans Peter Doskozil gewesen sein - dafür war diese von nicht geringer Bedeutung. Wie der Politiker am Donnerstag in Wien verkündete, wird die Geschäftsführung der neuen Bundes-Sport GmbH für die österreichische Sportförderung mit den Managern Clemens Trimmel (für den Bereich Sport) und Michael Sulzbacher (für den Bereich Wirtschaft) besetzt. Die Basis für die neue Struktur bildet das jüngst erlassene Bundessportfördergesetz, das ab 1. Jänner 2018 gilt.

Beide Herren sind in der Sportszene bestens vernetzt. Trimmel ist Ex-Tennis-Profi, Ex-ÖTV-Sportdirektor und -Daviscup-Kapitän und war zuletzt im Management des "Projekt Rio" bereits mit Förderaufgaben beschäftigt gewesen. Sulzbacher wiederum war bisher Geschäftsführer der Bundessportzentren. Die Wahl des Duos begründete Doskozil so: "Clemens Trimmel verfügt über umfassende Erfahrung aus verschiedenen Bereichen des Sports, die diese Aufgabe erfordert, und über ausgeprägte soziale Kompetenz", sagte der Minister. "Michael Sulzbacher wurde vom Assessment Center an erster Stelle gereiht und bringt alle Voraussetzungen mit, um dem Führungsanspruch des wirtschaftlichen Geschäftsführers gerecht zu werden."

"Ich bin der, der blöd fragt"

Als Vorsitzender des vierköpfigen Aufsichtsrats war bereits vor zwei Monaten der frühere Skirennfahrer und aktuelle TV-Moderator und -Co-Kommentator Armin Assinger ernannt worden. Nach seinen Plänen gefragt, erklärte der Kärntner, dass der Sport "wieder viel mehr in unserer Gesellschaft verankert sein" müsse. Dies sei auch das Hauptmotiv, weswegen er die ehrenamtliche Aufgabe in der Bundessport GmbH, die jährlich nicht weniger als 120 Millionen Euro Sportförderung an Verbände und Sportler vergibt, angenommen hat.

Um den Handlungsbedarf bildlich zu veranschaulichen, griff Assinger auf eine Begegnung mit Jugendlichen zurück. "Letztens hatte ich einen Auftritt in einem Einkaufszentrum. Als ich zu den Kindern sagte: ‚Jetzt gehen wir in die Hocke‘, haben sie mich nur angeschaut, als ob ich sechs Ohren und drei Nasen hätte. Das ist erbärmlich", polterte der 53-Jährige und zeigte sich über die motorischen Defizite des Nachwuchses besorgt. "Viele Schüler scheitern am Purzelbaum, und wir wundern uns, dass jedes dritte Kind zu dick ist." Ziel als Aufsichtsrat-Vorsitzender sei es, betonte Assinger, den Stellenwert des Sports zu steigern und auch für den Spitzensport bessere Voraussetzungen zu schaffen. Etwa im Bereich der Sportstätten. Wie das gehen soll, sowie seine eigene Rolle beschrieb der vierfache Weltcup-Sieger in Abfahrt und Super-G abschließend so: "Ich werde derjenige sein, der kontrolliert und blöd fragt."

Dabei waren die Bestellungen von sehr kritischen Stimmen begleitet gewesen. So zeigte sich etwa Doris Di Giorgio, Juristin und Projektleiterin im Sportministerium mit Schwerpunkt Förderkontrolle, über die Tatsache, dass keine Frau genommen wurde, sehr enttäuscht. "Kennt er (Assinger, Anm.) auch die Pflichten eines Aufsichtsratsvorsitzenden und kennt er sich auch im Förderwesen aus? Ich wüsste niemanden, der in diesem Auswahlverfahren besser qualifiziert wäre als ich", klagte sie im "Standard".