London. (art) Der eine hat seine Chance aufs Halbfinale beim ATP-World-Tour-Finale in London verspielt, der andere hatte gar keine - und diese trotzdem für sich in gewisser Weise genützt: Oliver Marach war mit seinem Partner Mate Pavić nur als Ersatzmann für das letzte Gruppenspiel ins Feld gerückt und daher von vornherein aussichtslos im Kampf um den Aufstieg, immerhin aber feierte das österreichisch-kroatische Doppel dort einen 6:4, 6:4-Prestigesieg über die US-Ikonen Bob und Mike Bryan. Dominic Thiem indessen unterlag seinem Angstgegner David Goffin nach einer schwachen Vorstellung mit 4:6, 1:6 und muss damit wie im Vorjahr ab dem Semifinale zuschauen, wenn Goffin am Samstag auf Superstar und Turnierfavorit Roger Federer (15 Uhr) und Gruppensieger Grigor Dimitrow auf den US-Mann Jack Sock trifft.

Thiem - für den es freilich ein Erfolg war, sich überhaupt zweimal hintereinander für den Saisonabschluss der besten acht Einzelspieler sowie der besten acht Doppel qualifiziert zu haben - hat damit auch beim zweiten Mal den Sprung unter die besten Vier mit jeweils einem Sieg und zwei Niederlagen verpasst.

Doch während er im Vorjahr zum Abschluss gegen Milos Raonic zumindest mit der Leistung zufrieden sein konnte, lief es diesmal nicht wirklich rund. Zwar ging der Niederösterreicher schnell mit 3:0 in Führung, dann machte er seinem belgischen Gegner das Leben aber viel zu leicht. Nach nur 71 Minuten war der Spuk zu Ende - und das Masters für den 24-Jährigen, der die Chance gehabt hatte, als erster Österreicher im Einzel ins Halbfinale zu kommen, vorbei.

Selbiges gilt freilich auch für Marach, dennoch war die Stimmungslage bei dem 37-Jährigen, der sich auch 2009 und 2010 für das Saisonabschlussturnier qualifiziert hatte - damals an der Seite von Łukasz Kubot - ungleich besser als bei seinem Landsmann. "Wir haben heute sehr gut gespielt, haben nichts zu verlieren gehabt und sind locker reingegangen. Ich habe nur gehofft, dass mein Rücken hält - und der hat super gehalten", erklärte Marach. Je 52.000 Dollar brachte dem Duo die Ersatzrolle, das Antreten und nun der Sieg in Summe. Die Reise nach London hat sich für die Wimbledonfinalisten dieses Jahres also ein weiteres Mal ausgezahlt, auch wenn ein Aufstieg ins Semifinale aufgrund der vorangegangenen Ergebnisse nicht möglich gewesen ist.

Die Motivation für das Treffen mit den 16-fachen Grand-Slam-Siegern musste man dennoch nicht lange suchen. "Es war meine Premiere hier und eine tolle Erfahrung", sagte Pavić, der auch schon in die Zukunft blickte. "Das ist auch eine gute Motivation für das nächstes Jahr, hoffentlich dann in den Top Acht hierher zurückzukehren", erklärte er. "Wenn wir das nächste Jahr konstant gut durchspielen, glaube ich, dass wir beim Masters wieder hier sind", sagte auch Marach schon vor dem Spiel. Nun will er sich dem Saisonaufbau in Graz und dem Auskurieren seiner Rückenverletzung widmen. "Ich möchte schauen, dass ich im nächsten Jahr fit bin."