San Juan. (art) Bei der Premiere war es eine Lebensmittelvergiftung, im Jahr darauf ein schwerer Sturz samt Oberschenkelbruch, die die in Südamerika ausgetragene Rallye Dakar für Matthias Walkner beendete. Im Vorjahr allerdings konnte der Salzburger seine Schnelligkeit dann auch in ein zählbares Resultat ummünzen, durfte im Ziel als Zweiter hinter seinem KTM-Teamkollegen Sam Sunderland vom Stockerl winken. Die Aussichten sind günstig, dass das nicht alles war. Vor den letzten beiden Etappen der 40. Auflage, die laut Veranstaltern schwieriger und spektakulärer ist als je zuvor, steht Walkner unmittelbar vor dem großen Triumph. Vor dem am Freitag anstehenden Teilstück von San Juan nach Córdoba beträgt sein Vorsprung als Führender auf seinen ersten Verfolger Kevin Benavides 32 Minuten, dahinter lauert Walkners Teamkollege Toby Price.

Aufgaben und Absagen

Walkner, ehemaliger Motocross-Weltmeister in der MX3-Klasse, hat aus den Erfahrungen der vergangenen Jahre gelernt, er weiß, wann es anzugreifen und wann es zu dosieren gilt. Und er hat sich im Zuge der Rallye auch von schlechteren Tagen samt Überschlag und Magenproblemen nicht aus der Ruhe bringen lassen. Diesem Credo will er nun treu bleiben. "Ich will einfach fokussiert bleiben und konzentriert weitermachen", sagte er. Allerdings weiß auch der 28-Jährige, dass er der Erfüllung seines großen Traums schon ziemlich nahe ist, zudem ein Verfolger, Joan Barreda Bort, wegen Knieproblemen aufgeben musste und jenes Teilstück, das im Vorjahr noch zu großen Umwälzungen geführt hatte, für die Motorrad-Piloten diesmal gestrichen werden musste. Die schlechte Wettervorhersage hatte einen Start der zwölften Etappe von Chilecito nach San Juan verunmöglicht. Es wäre eine Marathon-Etappe über insgesamt 722 Kilometer gewesen, 375 davon auf Sonderprüfungen.

Körperlich wäre Walkner durchaus in der Lage gewesen, diese Etappe zu fahren, hat er sich doch von seinen zwischenzeitlich aufgetretenen Problemen gut erholt. Deshalb geht er auch zuversichtlich in die letzten Tage der Extremsportveranstaltung. "Ich bin zufrieden. Ich fühle mich gut, auch körperlich geht es wieder besser. Mein Körper hat sich ziemlich gut an die Belastungen gewöhnt", sagte er, nachdem er das elfte Teilstück mit kalkuliertem Risiko bestritten und seine am Dienstag eroberte Spitzenposition mit Rang fünf souverän verteidigt hatte. Gelingt ihm dies auch in den letzten Abschnitten, hätte er Geschichte geschrieben - als erster österreichischer Gewinner der berühmtesten Rallye der Welt. Auch für sein Team wäre dies ein Riesenerfolg: Zwar kennt KTM das Gefühl des Sieges zur Genüge - seit 2001 ist man ungeschlagen -, doch wenn ein österreichischer Pilot auf einer österreichischen Maschine Dakar-Sieger wird, ist das noch einmal etwas ganz anderes und dem Interesse und Absatz sicher nicht abträglich.

Bei Offroad-Motorrädern ist KTM schon jetzt Weltmarktführer, daneben hat man zuletzt auch die Straßen-Sparte ausgeweitet. Seit dem vergangenen Jahr nimmt der Motorradhersteller mit Sitz Mattighofen auch an der höchsten Klasse der Straßen-WM, der MotoGP, teil und ist damit in allen Klassen vertreten. Dass darunter das Engagement im Offroad-Bereich nicht gelitten hat, zeigen die Erfolge Matthias Walkners bei der Dakar.