Melbourne. (art) Die Nummer eins der Welt, Rafael Nadal, musste wegen Oberschenkelproblemen aufgeben, die Nummern drei, vier und fünf - Grigor Dimitrow, Alexander Zverev und Dominic Thiem - haben sich vorzeitig verabschiedet, einige andere frühere Topstars wie Novak Djoković erlitten dasselbe Schicksal, andere wie Andy Murray konnten wegen Verletzungen gar nicht antreten. Nur einer siegt und siegt immer weiter: Roger Federer (Bild), in der Weltrangliste seit dem Vorjahr wieder erster Verfolger seines ewigen Rivalen Nadal, in Melbourne Titelverteidiger und hier insgesamt fünffacher Triumphator, zog am Mittwoch mehr oder minder problemlos in sein 14. Halbfinale bei den Australian Open ein. Der 36-jährige Schweizer ist nicht nur der einzige Top-Fünf-Spieler, der noch im Bewerb ist, er ist auch der einzige, der hier schon gewonnen hat. Für die Buchmacher ist er nunmehr der logische Favorit auf den Titel, es wäre sein 20. Major-Erfolg.

Federer selbst würde das freilich nicht behaupten; als er unmittelbar nach seinem 7:6, 6:3, 6:4-Erfolg über den Tschechen Tomáš Berdych zum Siegerinterview mit Jim Courier schritt, wusste er zu gut, dass die Sache, die sich in der Ergebnisliste so unspektakulär liest, auch anders hätte ausgehen können. "Ich bin froh, dass ich im ersten Satz noch die Wende geschafft habe. Das war der Schlüssel", sagte der 36-Jährige. Denn im ersten Satz war er schon 1:4 zurückgelegen, musste zwei Satzbälle abwehren, ehe er im Tiebreak auf- und den Satz umdrehte. Von da an aber kam das, was sie den "Fed-Express" nennen, ins Rollen, auf alles, was Berdych machte, hatte Federer eine Antwort - wie auch schon im Jahr zuvor, als der Tscheche ebenso zum Leidtragenden seines Erfolgslaufs wurde, der schließlich zum Titelgewinn führte. "Der heurige Weg ist mir aber lieber", sagte Federer angesichts der Tatsache, dass er im Vorjahr einige Partien über fünf Sätze bestehen musste, diesmal aber im bisherigen Turnierverlauf noch keinen abgeben musste.

Nächste Generation


Das könnte sich allerdings im Halbfinale am Freitag ändern. Der Papierform nach ist Federer zwar gegen Chung Hyeon Favorit, doch der Südkoreaner gilt als eine der großen Entdeckungen der jüngeren Vergangenheit. Vor den Australian Open war er in der Welt auf Platz 58 gereiht, spätestens seit seinen Siegen über Alexander Zverev und Djoković ist er aber auch Nicht-Insidern ein Begriff. Dabei hat Chung, 21 Jahre alt und der erste Südkoreaner, der es in ein Grand-Slam-Halbfinale geschafft hat, schon im Herbst des Vorjahres auf sich aufmerksam gemacht, unter anderem mit dem Sieg beim NextGen-Final-Turnier der Herren-Tour. Für die Runde der besten Vier qualifizierte er sich mit einem Dreisatzerfolg über Dominic Thiems Bezwinger Tennys Sandgren. Federer gibt zu, seinen kommenden Gegner noch nicht oft spielen gesehen zu haben, sagt aber: "Es ist gut, dass es neue Gesichter gibt." Der Sieger dieses Duells bekommt es im Finale mit dem Gewinner der Partie Marin Čilić gegen Kyle Edmund zu tun. Schon davor bestreiten die Damen ihre Halbfinal-Partien: Simona Halep bekommt es mit Angelique Kerber zu tun, Elise Mertens mit Carolina Wozniacki.

Während Österreich in den Elite-Einzel-Bewerben nicht mehr vertreten ist, erreichte Oliver Marach mit seinem kroatischen Partner Mate Pavić mit einem Dreisatzerfolg über Marcus Daniell/Dominic Inglot die Vorschlussrunde, in der das Duo in der Nacht auf Donnerstag gegen Ben McLachlan/Jan-Lennard Struff spielt. Ungeachtet des Ausgangs der Partie können Marach/Pavić das restliche Jahr mit einer ordentlichen Portion Selbstvertrauen in Angriff nehmen: Sie haben bereits die Turniere in Doha und Auckland gewonnen und ihre Erfolgsserie mit dem Halbfinaleinzug auf zwölf Siege ausgebaut.