Melbourne. Zugegeben, durch die rot-weiß-rote Brille betrachtet gibt es Gründe, die Australian Open vorzeitig abgeschrieben zu haben. Im Damen-Einzel, in dem am Samstag die Rumänin Simona Halep und die Dänin Caroline Wozniacki um ihren jeweils ersten Grand-Slam-Titel kämpfen, schaffte es gar keine heimische Vertreterin in den Hauptbewerb, bei den Herren schied ein Trio schon in der ersten Runde, Österreichs Hoffnungsträger Dominic Thiem dann im Achtelfinale aus. Nur auf das Doppel ist - wie schon bei früheren Turnieren - Verlass: Gemeinsam mit seinem kroatischen Partner Mate Pavić erreichte der Steirer Oliver Marach das Finale am Samstag.

Der 4:6, 7:5, 7:6-Sieg über die japanisch-deutsche Paarung Ben McLachlan/Jan-Lennard Struff war freilich hart erkämpft und laut Marach vor allem dem Selbstvertrauen der vergangenen Wochen geschuldet. Zwei Turniere haben Marach/Pavić heuer schon gewonnen, ihre Serie haben sie nun auf 13 Siege en suite ausgebaut. "Wir hatten den Vorteil des Selbstvertrauens, konnten in den wichtigen Momenten zulegen", meinte der 37-Jährige, der nun auch dem Finale gegen die Kolumbianer Sebastian Cabal/Robert Farah zuversichtlich entgegenblickt, zur APA: "Wir wissen, dass wir jeden schlagen können." Dabei müssen allerdings nicht nur die Schläge und die Nerven, sondern auch die Körper mitspielen. Er sei "echt schon auf Reserve", meinte Marach. "Wir hatten wenig Pausen, und auch wenn es ,nur‘ Doppel ist, schlaucht es einfach."

Der Körper und das Tennis, das kennen nicht nur Einzel-, sondern auch Doppelspieler - Marach kann davon Arien singen. Zeit seiner schon fast 20 Jahre andauernden Profikarriere waren Verletzungen für den Grazer, der es im Einzel 2006 bis auf Platz 82 der Weltrangliste geschafft hatte, ehe er sich auf das Spiel zu zweit verlegt hatte, ständige Begleiter. Im vergangenen Jahr hatte er zunächst mit Handgelenks- und Knieproblemen zu kämpfen, im Herbst kam noch ein Bandscheibenvorfall dazu. Angesichts dessen ist es neben harter Arbeit auf dem Tennisplatz und in den Therapieräumen fast einem Wunder zu verdanken, dass die beiden, die erst seit März des vergangenen Jahres zusammenspielen, es am Saisonende als Ersatzteam zum World-Tour-Finale geschafft und dort sogar einen Sieg gefeiert haben. Für Marach war es die dritte Teilnahme beim Saisonabschlussturnier, 2009 und 2010 war er mit seinem langjährigen Partner, Kumpel und Trauzeugen Lukasz Kubot schon dabei. Mit Kubot hatte er seine größten Erfolge gefeiert - bis er mit dem um 13 Jahre jüngeren Pavić zusammenkam. Die beiden schafften es in Wimbledon ebenfalls ins Finale, wo sie in einem epischen Match mit 11:13 im fünften Satz verloren.

Sollte es diesmal besser laufen, würde Marach nicht nur mit seinem insgesamt 20. Turniersieg seinen größten Erfolg feiern, sondern auch in die Fußstapfen anderer heimischer (Doppel-)Größen treten. Denn während im Herren-Einzel Thomas Muster mit seinem French-Open-Sieg 1995 der bisher einzige heimische Grand-Slam-Sieger ist, durften Jürgen Melzer, der auch schon Juniorensieger in Wimbledon war, 2010 (Wimbledon) und 2011 (US Open) beziehungsweise Julian Knowle 2007 (US Open) Doppel-Trophäen bei Major-Turnieren stemmen.

Bei den Australian Open winken neben dem Pokal umgerechnet auch rund 490.000 Euro für das Siegerduo, schon jetzt haben Marach/Pavić rund 245.000 Euro eingespielt. Im Vergleich zum Einzel ist das freilich immer noch wenig: Dort bekommen Sieger und Siegerin jeweils rund 2,62 Millionen Euro.