Investitionen in den Nachwuchs rechnen sich


Andere Betriebe bilden Lehrlinge aus, Austria und Rapid stecken jeweils gut zwei Millionen Euro pro Jahr in die Nachwuchsmannschaften. In beiden Vereinen gehen die Mitgliedsbeiträge an die Jugend. "Nachwuchsarbeit rechnet sich", sagt Kraetschmer. Denn Eigenbauspieler "haben die beste Marge", kommen also billiger als ein Zukauf. Wenn es gut geht, schaffen zwei Spieler eines Jahrgangs den Sprung in die Austria-Kampfmannschaft, einige wenige zu anderen Profi-Mannschaften. Dazu kommen Transfererlöse, die noch Jahre nachwirken können, wenn Spieler aus der eigenen Jugendabteilung international weiterverkauft werden. Und schließlich gibt es noch Sponsoren, die ausschließlich die Jugend fördern wollen. "Das ist eine Investition" so Peschek über die Jugendarbeit. Wenn Spieler transferiert werden können, rechne es sich. Ziel sei jedenfalls, Eigenbauspieler in die Kampfmannschaft zu bringen und erfolgreich Fußball zu spielen. Peschek geht nicht auf einzelne Spieler ein, aber der Rekordtransfer des Verteidigers Maximilian Wöber zu Ajax Amsterdam um kolportierte 7,5 Millionen Euro hat rechnerisch einige Jahre Jugendarbeit von Rapid finanziert. Allerdings betonen Kraetschmer und Peschek, dass es auch um die Vorbereitung der Jugendlichen auf das Leben danach gehe, da nur wenige den Sprung in den Profi-Fußball schaffen. Darum gibt es Kooperationen mit Schulen, Sprachkurse und andere Förderungen. Der Klub leiste soziale Arbeit, schließlich arbeiten hier Menschen aus 37 Nationen, sagt Kraetschmer. Rapid verkauft "ein Lebensgefühl und eine Identität in einer Gesellschaft, in der Entwurzelung stattfindet", so Peschek. Damit gingen die Aufgaben weit über einen Wirtschaftsbetrieb hinaus.

Spieler und ihre Transfers sind für die wirtschaftlich Verantwortlichen ein ganz eigenes Kapitel. Andere Unternehmen schreiben Anlagen ab, die Vereine ihre Fußballer - genauer den Transferwert. Die Herausforderung ist aber: Der Wert eines Fußballers kann durch eine Verletzung plötzlich auf null fallen, kann aber auch mit der Leistung steigen. Durch eine Vertragsverlängerung wird der Buchwert wieder hergestellt oder gar erhöht, mit Vertragsende sind die Spieler frei - in der Buchhaltung also "wertlos", spielerisch hingegen oft für den Verein unverändert wichtig, schildert Kraetschmer. Das nötigt dem Verein, vor allem dem wirtschaftlichen Geschäftsführer, vor Vertragsende eine delikate Rechnung auf: Wie wichtig ist der Spieler in den letzten Monaten seines Vertrags noch, um einen Europacupplatz mit entsprechend hohen Einnahmen zu erreichen - oder ist er besser, jetzt im Winter zu verkaufen, um wenigstens Transfererlöse zu haben? Vor dem Dilemma stand die Austria zuletzt im Zusammenhang mit Raphael Holzhauser, der im Sommer ablösefrei gehen kann - aber jetzt ein wichtiger Spieler ist, um das Ziel Europacup zu erreichen. Letztlich ist Holzhauser geblieben, auch weil keine Ablösen geboten wurden, die in dieser Rechnung attraktiv genug waren.