Doha. (art) Beim oberösterreichischen Motorrad-Hersteller KTM ist man Erfolg gewohnt: Seit 2001 stellte man durchgehend die Sieger bei der Rallye Dakar, seit sieben Jahren schreibt man ein ums andere Rekordergebnis in den Bilanzen. Nur in der höchsten Klasse des Straßen-Motorradsports muss man sich erst Schritt für Schritt etablieren. Der erste erfolgte im Vorjahr mit dem Einstieg in die MotoGP-Klasse und einzelnen Achtungserfolgen durch die Fahrer Pol Espargaro und Bradley Smith; der zweite soll in dieser Saison kommen, die am Freitag mit den ersten Trainings und am Sonntag mit dem Auftaktrennen auf dem Losail International Circuit nahe Doha in Katar beginnt (17 Uhr/Servus TV). Das Ziel ist, nach Punktgewinnen und Top-Ten-Ergebnissen auch in die Top Sechs vorzustoßen.

Dass das in einem Rekordfeld von 24 Piloten und mit den drei Top-Werksteams Honda, das in Marc Márquez den WM-Titelverteidiger stellt, Yamaha und Ducati alles andere als einfach wird, ist Teammanager Mike Leitner und Co. bewusst. "Die zweite Saison ist nicht leichter als die erste. Wir werden uns wieder neu beweisen müssen", sagt er. Vor allem von den ersten Rennen, die eher der Standortbestimmung dienen, dürfe man sich nicht allzu viel erwarten, zumal Espargaro, Moto2-Weltmeister von 2013, nach seinem schweren Sturz bei den Wintertests und nachfolgender Rückenoperation nicht ganz fit ins Rennen geht. "Wir sollten happy sein, dass er überhaupt hier ist. Der Crash war ziemlich übel. Er hatte Riesenglück", sagt Leitner.

Zwar will KTM auch in der MotoGP-Klasse bald Ergebnisse vorweisen können, das Projekt ist aber ohnehin längerfristig ausgelegt. Das zweite Jahr, in dem man als Neuling noch technische Vorteile genießen und in sechs Rennen, darunter in Spielberg am 12. August, drei Fahrer stellen darf, dient der weiteren Entwicklung - und der Steigerung der Popularität der Marke, letztlich also den Absatzzahlen. Schon jetzt ist das börsenotierte Unternehmen, das 1992 aus einer Pleite hervorging, Weltmarktführer im Offroad-Bereich und Europas größter Motorradhersteller - global gesehen ist im Bereich der Straßen-Maschinen aber noch Luft nach oben. Mit der Teilnahme an der MotoGP-WM will man das Firmen-Orange vor allem im asiatischen Wachstumsmarkt bekannt machen, wo die Motorrad-Begeisterung besonders groß ist und heuer der Grand Prix in Thailand hinzukommt. Ab kommendem Jahr wird KTM, das auch an der Moto2- und Moto3-WM teilnimmt, sogar mit vier Motorrädern - zwei für das französische Tech-3-Team, das von Yamaha umsteigt - vertreten sein. Zudem kündigten die Oberösterreicher für 2020 einen neuen Produktionsstandort in China an. Aktuell werden die Maschinen in Oberösterreich sowie in Indien gefertigt.

Dem Zufall wird bei KTM, das seinen Gesamtumsatz im Vorjahr um 14 Prozent auf 1,53 Milliarden Euro steigern konnte, also nichts überlassen - nur wann man den ersten MotoGP-Sieger oder gar -Weltmeister auf einem der eigenen Motorräder sehen wird, kann man freilich auch im besten Konzept nicht einplanen. Nur so viel sagt Leitner: "Wir werden versuchen, dass das so schnell wie möglich geht."