Augusta. (art) Patrick Reed versenkte den letzten Putt, und die Zuschauer jubelten. Natürlich jubelten sie. Nach dem Briten Danny Willett und dem Spanier Sergio García hatte soeben wieder einmal ein US-Golfer beim Masters in Augusta den prestigeträchtigsten aller Major-Titel geholt, noch dazu einer, der seinen College-Abschluss hier in Augusta gemacht hatte, einer, der maßgeblich für den Ryder-Cup-Sieg 2016 verantwortlich gezeichnet hatte und seitdem ehrfurchtsvoll "Captain America" genannt wird. Und die Leistungen der Spieler zu würdigen, das gehört ohnehin zum guten Golf-Ton. Doch da Reed es in seiner bisherigen Karriere mit eben diesem selbst nicht immer so genau genommen hatte, fiel der Jubel nicht ganz so enthusiastisch aus, wie er sich vielleicht beim Sieg eines seiner Konkurrenten, seines zweit- beziehungsweise drittplatzierten Landsmanns Rickie Fowler beziehungsweise Jordan Spieth oder auch beim Nordiren Rory McIlroy, angehört hätte.

Patrick Reed mag das Masters gewonnen haben - einen Beliebtheitswettbewerb wird er aber wohl nicht so schnell holen. Seit College-Zeiten begleiten ihn Vorwürfe, er hätte geschummelt, sogar seine Mitspieler soll er bestohlen haben. Reed stritt sie stets ab - räumte aber Verstöße gegen die Alkoholregeln ein, derentwegen er kurz vor seinem Abschluss das College wechseln musste. Auch abschätzige Bemerkungen gegenüber Offiziellen und Konkurrenten werden ihm in einer Branche, die um ihr Gentleman-Image bemüht ist, zur Last gelegt. Nicht einmal mit seinen konstant guten und vor allem mental starken Leistungen in Augusta konnte der 27-Jährige die Kritiker verstummen lassen. Warum er nicht so beliebt sei wie seine Konkurrenten, wollten Journalisten wissen. "Ich weiß es nicht. Fragen Sie die Kritiker. Mir ist es ehrlich gesagt egal, ob die Leute für mich jubeln oder nicht", sagte er während des Turniers. Danach erklärte er nicht ohne Genugtuung, die Anfeuerungen für seine Gegner hätten ihn zusätzlich motiviert.

Viel mehr gibt Reed nicht von sich preis, von allzu lästigen Fragen schirmt ihn die Familie seiner Frau ohnehin ab. Sein Schwager fungiert als Caddie, seine Schwiegermutter als Managerin. Sie wird vermutlich in nächster Zeit ein bisschen mehr zu tun haben als sonst, als Masters-Sieger steht Reed noch mehr in der Öffentlichkeit als in seiner früheren Laufbahn, in der als bis dato größter Triumph der Titel bei der World Golf Championship aus dem Jahr 2015 zu Buche steht.

Wiesberger gut,
aber nicht gut genug


Er sei einer der fünf besten Golfer weltweit, hatte Reed damals getönt. Am Sonntag ließ er den Worten Taten folgen, als er auf der Schlussrunde Fowler auf einen Schlag auf Distanz hielt. "Das war der größte mentale Härtetest, den es im Golf geben kann", erklärte der Sieger danach. Auch von der Konkurrenz gab es angesichts dessen dann doch Worte des Lobes: "Er steckt nicht zurück. Er ist keiner, der dich ins Turnier zurückkommen lässt", sagte Fowler.

"Ein großartiger Sieg von Patrick Reed und beeindruckendes Golfspiel von so vielen anderen", twitterte der Österreicher Bernd Wiesberger. Er selbst verlässt Augusta mit ambivalenten Gefühlen. Als 15. in die Schlussrunde gegangen, verspielte er am letzten Tag noch die Chance auf sein bestes Masters-Ergebnis oder sogar die im Bereich des Möglichen gelegenen Top Ten, holte schließlich als 24. mit eins unter Par - um zwei Schläge besser als der zurückgekehrte US-Star Tiger Woods - aber ein gutes Resultat. Das lange Spiel funktionierte zwar gut, beim Putten hatte Wiesberger aber seine Probleme. Fast schon tragisch etwa das Bogey im berüchtigten Amen Corner (Löcher 11 bis 13), als er auf dem Par Drei der zwölften Spielbahn einen Putt aus kürzester Distanz verschob und aus Ärger darüber danach den Ball ins Wasser warf. "Heute wäre eine gute Möglichkeit gewesen, sich einige Plätze nach vorne zu spielen. Leider ist es auf den Grüns wieder nicht nach Wunsch gelaufen. Daher ist es schon etwas frustrierend", erklärte Wiesberger.