Alexander Zverev musste schon dreimal hintereinander über fünf Sätze gehen. - © Reuters/C. Hartmann
Alexander Zverev musste schon dreimal hintereinander über fünf Sätze gehen. - © Reuters/C. Hartmann

Paris. (art) Es ist, darin waren sich Beobachter schon vor einiger Zeit einig, eines jener Duelle, die die kommenden Jahre im Tennis prägen würden, "das Duell, das sich alle gewünscht haben", wie Dominic Thiem sagt. Am Dienstag (ab 14 Uhr/ORF Sport+) trifft der 24-Jährige aus Niederösterreich auf den um drei Jahre jüngeren Deutschen Alexander Zverev; gegeben wird das Viertelfinale der French Open in Roland Garros. Das Duell wird als einer der künftigen Klassiker im Tennis gehandelt. Bei den Damen fielen die Zuschauer am Montag indessen um einen Evergreen um: Serena Williams musste vor dem Achtelfinale gegen Maria Scharapowa wegen einer Muskelverletzung w.o. geben.

Während Thiem um seinen dritten Semifinaleinzug beim größten Sandplatzturnier der Welt en suite spielt, hat Zverev schon jetzt sein bisher bestes Ergebnis bei einem Grand-Slam-Turnier eingefahren: In Wimbledon stand er im Vorjahr im Achtelfinale, in Paris 2016 in der dritten Runde. Im Vorjahr war er nach einem rasanten Aufstieg schon als Geheimtipp gehandelt worden, musste aber nach der ersten Runde die Koffer packen. Doch der Hamburger ist gereift, körperlich wie mental, hat an Konstanz zugelegt, ist als Nummer drei der Welt um fünf Plätze besser klassiert als Thiem und hat - anders als dieser - Siegerfahrung bei Masters-1000-Turnieren. Das jüngste Duell ging im Madrid-Finale in zwei Sätzen an ihn. Dennoch sehen die Buchmacher Thiem vorne. Zum einen hat er insgesamt gegen Zverev eine positive Bilanz (4:2), zum anderen bei seinen Auftritten in Paris weniger Substanz lassen müssen als sein Gegner.

Für Dominic Thiem spricht das Mehr an Frische. - © ap/Michel Euler
Für Dominic Thiem spricht das Mehr an Frische. - © ap/Michel Euler

Während dieser im Achtelfinale gegen den Russen Karen Chatschanow zum dritten Mal hintereinander einen 1:2-Satzrückstand in einen Fünfsatzsieg verwandelte, setzte sich Thiem über den Japaner Kei Nishikori 6:2, 6:0, 5:7, 6:4 durch - und überzeugte abgesehen von "einem schwachen Game" im dritten Satz, wie er selbst sagt, auf ganzer Linie. Vor allem für die ersten beiden Sätze gab sich Thiem, der ansonsten selten uneingeschränkt zufrieden ist, auf einer Skala von 1 bis 10 "einen schönen Zehner".

"Thiem ist einer der Besten"


"Ich habe keinen Blödsinn gemacht und gleichzeitig extrem aggressiv gespielt und viele Winner geschlagen." Dass Zverev sich bisher mehr abmühen musste, könnte ihm körperliche Vorteile verschaffen, hofft der Österreicher. "Körperlich ist es nicht einfach, dreimal hintereinander fünf Sätze zu spielen", räumt auch sein Widersacher ein, "aber ich habe es irgendwie geschafft und werde alles tun, um mich zu erholen". Auf einen möglichen weiteren Fünfsatz-Kampf sei er vorbereitet, denn auch Zverev glaubt an ein enges Duell. "Dominic ist einer der besten Spieler, vor allem auf diesem Belag, und einer der wenigen, der gegen Nadal auf Sand eine Chance hat", meint der Deutsche mit Blick auf das Madrid-Viertelfinale, in dem Thiem den zehnfachen French-Open-Sieger und Weltranglistenersten entzaubert hatte. Zu einem Wiedersehen mit dem spanischen Titelverteidiger könnte es diesmal erst im Finale kommen, Halbfinalgegner wäre der Sieger der Partie Marco Cecchinato gegen Novak Djoković. Doch davor wartet mit dem 1,98 Meter großen Zverev eine nicht nur körperlich hohe Hürde.