Paris. Es ist eines jener Tennis-Märchen, die gerade in Paris immer wieder einmal geschrieben werden. Marco Cecchinato hatte vor Beginn der French Open in vier Events noch kein Grand-Slam-Einzel gewonnen, und nun steht der Weltranglisten-72. sensationell im Halbfinale. Der 25-jährige Italiener hat einen derartigen Lauf, dass ihn auch der nächste Gegner Dominic Thiem am Freitag nicht mehr schreckt.

"Ich habe ihn schon einmal geschlagen, warum nicht?", meinte ein überglücklicher Cecchinato an Dienstagabend nach seinem 6:3, 7:6, 1:6, 7:6-Sieg über Novak Djoković. Dabei wäre Cecchinato, der ein Tattoo mit der Glücksnummer "13" am Arm hat, beinahe schon in der ersten Runde ausgeschieden. 0:2-Sätze lag er gegen den Rumänen Marius Copil zurück, ehe er noch 10:8 im fünften Satz gewann.

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Danach beendete er den Glückslauf des Lucky Losers Marco Trungelliti. Dann begann der Mann aus Palermo seinen unerwarteten Lauf erst so richtig: Viersatz-Sieg über den als Nummer zehn gesetzten Spanier Pablo Carreño Busta, im Achtelfinale erneut in vier Sätzen gegen die Nummer acht, David Goffin aus Belgien, weiter, und nun hat er auch noch Superstar Djoković mit 13:11 im Tiebreak des vierten Satzes bezwungen. "Ich glaube, mein Leben hat sich verändert. Also nach Roland Garros brauche ich etwas Pause, um das alles zu begreifen", meinte Cecchinato, der sich von Platz 72 in die Top 30 der Welt verbessern wird. Auf die Bemerkung, dass er nun in Wimbledon sogar gesetzt sein wird, meinte er humorvoll: "Das ist gut für meinen Gegner."

Der Siegeszug des Marco Cecchinato erinnerte auch an frühere Nobodys, die danach allerdings nie wieder so weit kamen und als "One-Slam-Wonders" in die Geschichte eingingen. Der Niederländer Martin Verkerk, ebenfalls mit einhändiger Rückhand, war so einer: 2003 stieß er damals bis ins Pariser Endspiel vor, sorgte dann aber nie wieder für so viel Furore. Ein ähnlicher Fall war zwei Jahre später der Argentinier Mariano Puerta, der ebenfalls bei den French Open das Endspiel erreichte. Danach fiel er aber bei einem Dopingtest durch und wurde gesperrt.

Ein anderer, der wie Phoenix aus der Asche dann sogar zum Turniersieg stürmte, machte sich hingegen in Roland Garros zur Legende: Gustavo "Guga" Kuerten holte 1997 als Nummer 66 der Welt den Titel und sollte 2000 und 2001 noch zwei weitere nachlegen. Der Brasilianer ist bei den Parisern, wenn er als Gast auftaucht, immer noch enorm beliebt. Es wird sich weisen, in welche Kategorie man Cecchinato einst einordnen wird. Den bisherigen Siegeslauf kann ihm aber keiner mehr nehmen.