Le Castellet. Zehn Jahre nach dem bisher letzten Rennen kehrt nun die Formel 1 am Wochenende wieder nach Frankreich zurück. Schauplatz des achten Saisonlaufs ist der Circuit Paul Ricard in Le Castellet nahe Marseille. Dort, wo es zuletzt am 8. Juli 1990 einen Großen Preis gegeben hatte, will Mercedes im Zweikampf mit Ferrari zurückschlagen.

Vor dem achten Saisonlauf am Sonntag (16.10 Uhr/ORFeins) liegt Ferrari-Star Sebastian Vettel nur einen Punkt vor Titelverteidiger Lewis Hamilton. "Es ist eng. Aber das ist gut, dass es nicht so klar ist, so eintönig", meinte Vettel zur Situation im Titelduell. Mit dem Selbstbewusstsein seines jüngsten Start-Ziel-Sieges in Kanada sieht der 30-Jährige die Scuderia auch für die neue Herausforderung von Le Castellet bereit. "Es gibt keinen Grund, warum wir straucheln sollten", betonte der vierfache Weltmeister.

Hamilton und Mercedes wiederum mussten eingestehen, dass Ferrari einen besseren Job macht. Nach den schmerzhaften Niederlagen in Monaco und Kanada, die den Verlust der Führung in der WM-Wertung brachten, habe es intensive Krisenrunden im Rennstall gegeben. "Wir hatten offene Gespräche, die Leute waren auch sehr selbstkritisch. Zu erkennen, dass wir es besser können, war sehr wichtig für uns", erklärte Hamilton am Freitag. "Es geht um Kleinigkeiten, ich habe volles Vertrauen in mein Team."

Noch offen ist, ob der Brite seine Jagd auf Vettel am Wochenende endlich mit einem verbesserten Motor starten kann. Eigentlich sollte die neue Triebwerksversion schon vor zwei Wochen zum Einsatz kommen, doch ein Materialfehler verhinderte dies. "Wir können nicht immer perfekt sein", sagte Hamilton. Allerdings ist der Motor nicht seine einzige Sorge, sondern auch die Fußball-WM. Tatsächlich bringt das Turnier in Russland die Formel 1 in ein Dilemma. Um den ersten Nachmittagsspielen der Kicker auszuweichen, starten die Qualifikation am Samstag (16 Uhr/ORFeins) und das Rennen in Le Castellet jeweils erst nach dem Schlusspfiff.

Sorge wegen Fußball-WM

Dennoch sorgt sich Hamilton wegen der Fußballpartie zwischen England und Panama am Sonntag um die Konzentration seiner Mechaniker. Er befürchtet, dass seine mehrheitlich britische Boxen-Crew bei der Vorbereitung auf das Rennen in Frankreich abgelenkt sein könnte. Das WM-Spiel beginnt um 14 Uhr MESZ und endet damit erst kurz vor dem Rennstart. "Es wird etwas schwer, sich auf das Rennen zu fokussieren. Meine Jungs werden versuchen, beides im Auge zu behalten", sagt der Mercedes-Fahrer.

Das Training am Freitag wiederum haben die Mercedes-Piloten Hamilton und Valtteri Bottas klar dominiert. Der Titelverteidiger war in Le Castellet 0,140 Sekunden schneller als sein finnischer Teamkollege. Platz drei belegte der Australier Daniel Ricciardo im Red Bull. WM-Spitzenreiter Sebastian Vettel wurde im Ferrari mit fast einer Sekunde Rückstand auf Hamilton Fünfter. Kurz vor Ende wurde das Auftakttraining wegen eines heftigen Unfalls von Marcus Ericsson abgebrochen, nachdem der Sauber-Bolide des Schweden in Brand geraten war. Ericsson kam aber unversehrt davon.

Das Saisonrennen auf dem erstaunlich farbenfrohen Kurs in den Bergen nahe Marseille ist der Auftakt für die hektischste Formel-1-Zeit des Jahres. Fünf Rennen in sechs Wochen, das nächste vor heimischer Kulisse in Spielberg - ein derart verdichtetes Programm gab es noch nie.