Wiener Neustadt. Das mit neuem Flutlicht ausgestattete Ducksfield der Diving Ducks in Wiener Neustadt wird in den kommenden Tagen zur Pilgerstätte der österreichischen Baseballfans. Ab Freitag (19 Uhr) begegnen sich dort mit Österreich und Litauen zwei Nationalmannschaften, die beide ihre Chance auf die A-Pool-Europameisterschaft 2019 in Deutschland nutzen möchten. Gespielt wird in einem Best-of-Three-Modus. Für die von dem Japaner Hiroyuki Sakanashi gecoachten Österreicher wäre es nach 2007 das zweite Mal, dass es mit einer Eliten-Endrunde klappen würde, für den Gegner aus dem Baltikum eine Premiere.

Die Austrian Baseball Federation wurde 1983 unter dem Namen Österreichischer Baseball und Softball Verband (ÖBSV) gegründet, 2005 erhielt sie ihren jetzigen Namen. Insgesamt spielen ungefähr 5000 Frauen und Männer, Mädchen und Burschen in knapp 50 registrierten Vereinen Softball, Baseball und Slowpitch-Baseball - hier wird der Pitch, also der Wurf, mit weniger Geschwindigkeit ausgeführt, wodurch er leichter zu treffen ist - in Österreich. Vergleicht man diese Zahlen mit dem organisierten Fußball, bedeutet das, dass auf 100 Fußballer und Fußballerinnen ein Baseballspieler, eine Spielerin, kommt.

Früh übt sich . . .


Trotz der geringen Zahl sind die österreichischen Nationalteams gut aufgestellt. Im Gespräch mit der "Wiener Zeitung" führt der Generalsekretär der ABF, Johannes Godler, diese Tatsache auf die frühe Talentesichtung in Österreich zurück: "Mit der Austrian Baseball Academy in Wien haben wir ein gut funktionierendes duales Ausbildungssystem. Wir arbeiten hier mit mehreren Gymnasien zusammen, Schulbesuche und Trainingseinheiten werden aufeinander abgestimmt. Für die Schüler aus den Bundesländern besteht außerdem die Möglichkeit, ein Internat zu besuchen."

Dass mit einer guten Jugendarbeit ein großer Schritt in die richtige Richtung gemacht werden kann, zeigt sich an den Leistungen der Nachwuchsteams in den vergangenen zehn Jahren. Viele Topplatzierungen bei Europameisterschaften konnten die Junioren in den unterschiedlichen Altersklassen erreichen. Einige von ihnen sind nun auch Teil des Nationalteams. Im Ausland engagierte Spieler sind allerdings keine dabei. Laut Godler brauche es diese aber auch nicht, um erfolgreich zu sein: "In Österreich wird gute Arbeit im Amateurbereich geleistet. Aus geringen finanziellen Möglichkeiten wird viel gemacht. So stehen wir beispielsweise über Nationen wie Schweden oder der Ukraine, die eigentlich deutlich über uns einzuschätzen wären", sagt er. Daher sei auch die Erwartungshaltung gegen Litauen eine hohe, ohne den Gegner zu unterschätzen. "2017 haben wir die B-Pool Europameisterschaft in Belgrad für uns entscheiden können. Die Litauer sind zwar in der Defensive stark, sie haben gute Pitcher, ein Spieler von ihnen besucht ein amerikanisches Collage. Aber wir sind zuversichtlich, was den Aufstieg angeht."

Übertragung im Fernsehen


Wer in Wiener Neustadt nicht dabei sein kann, sich die Spiele dennoch nicht entgehen lassen möchte, hat erstmalig die Chance, Baseball live im ORF zu verfolgen. Nach gelungenen Streamingversuchen - wie 2015, als die B-Pool Europameisterschaft von der Spenadlwiese in Wien bei laola1.tv im vollen Umfang übertragen wurde - werden die entscheidenden Spiele um die Qualifikation auch auf ORF Sport+ gezeigt. Godler ("Es wird das größte Baseball-Event, das je in Österreich stattgefunden hat") hofft dadurch auf neue Impulse: "Diese Übertragung soll einerseits für die Baseball-Community sein, andererseits wollen wir natürlich neue Zuseher dazugewinnen."

Die Aussichten sind also positiv, was den Sport in Österreich anbelangt, die Chancen auf den Aufstieg gute. Wird man eventuell sogar in absehbarer Zukunft einen österreichischen Spieler in der Major League Baseball zu sehen bekommen? Godler: "Andere europäische Nationen wie Deutschland oder die Niederlande haben bereits Spieler dort platziert, aber bei uns dauert es sicher noch eine Weile. Das Ziel der Baseball Academy ist es aber, es jungen Spieler zu ermöglichen, später einmal professionell Baseball spielen zu können." An diesem Wochenende werden die Spieler aber kaum einen Gedanken an Profitum oder Amateurismus verschwenden. Das Einzige, was zählt, ist vorerst die Qualifikation für die A-Europameisterschaft.