Feldkirch. (apa/art) Die Österreich-Radrundfahrt als Alleinstellungsmerkmal - das hat sich Tour-Direktor Franz Steinberger für die Jubiläumsausgabe und die Zukunft vorgenommen. Und tatsächlich macht die Streckenführung dem "Land der Berge" alle Ehre. Wenn die Fahrer am Samstag in Feldkirch in Vorarlberg über die Startlinie rollen, haben sie acht Etappen mit sechs Bergankünften und insgesamt 23.000 Höhenmeter vor sich. Anders als in den vergangenen Jahren dürften auf den Teilstücken auf das Kitzbühler Horn am dritten und zum Fuscher Törl am Großglockner am fünften Tag noch keine Vorentscheidungen fallen. Danach warten noch schwierige Etappen nach Wenigzell und auf den Sonntagberg in Niederösterreich, ehe das Ziel in Wels erreicht wird. "Das Dogma der Rundfahrt ist, dass wir keine immens langen Etappen haben, sondern eher kurz und knackig unterwegs sind", erklärt Steinberger.

Plan A lautet Sieg


Den aussichtsreichsten Österreichern gefällt das neue Konzept der Tour-Veranstalter. Schließlich sind Hermann Pernsteiner, Riccardo Zoidl und Stefan Denifl starke Kletterer. Die beiden Letzteren sind zwei von bisher fünf heimischen Gesamtsiegern, bisher hat nur Gerrit Glomser zweimal triumphiert. Zoidl, der Sieger von 2013, und Titelverteidiger Denifl versuchen nun, es ihm trotz einer starken Konkurrenz um den zweifachen Tour-de-France-Achten Louis Meintjes aus Südafrika und den Kasachen Alexeij Luzenko gleichzutun. "Als Titelverteidiger werde ich am Sieg gemessen. Das ist auch mein Plan A, das werde ich wieder versuchen", sagt Denifl. Dass ihn im Frühjahr Knieprobleme plagten und er bisher noch keine guten Resultate erzielt hat, verunsichert ihn nicht. "Im Vorjahr habe ich auch keine Ergebnisse gehabt, und dann hat es trotzdem gepasst", meint der 30-Jährige, der im Herbst noch mit einem Etappensieg bei der Vuelta a España brilliert hat und sich besonders auf die zweite Etappe in seiner Stubaier Heimat freut.

Auch Zoidl geht optimistisch in das Rennen. Im Vorjahr hat er seine Chancen schon am Kitzbühler Horn verspielt, diesmal strebt der mit dem Team Felbermayr in der heimischen Bundesliga tonangebende Oberösterreicher wieder einen Spitzenplatz an. Er sei "sehr, sehr zuversichtlich", sagt Zoidl. "Die Form ist sicher besser als letztes Jahr. Ich werde von Rennen zu Rennen stärker." Doch vielleicht trägt sich auch ein neuer Name in die Siegerliste ein. Hermann Pernsteiner ist als ehemaliger Mountainbiker prädestiniert für die bergige Strecke. Schon bei seinem Debüt 2016 hat er als Sechster aufgezeigt, im Vorjahr wurde er mit vielen anderen durch eine Windkante und Stürze im Hauptfeld bereits auf der ersten Etappe weit zurückgeworfen und landete letztlich auf Rang zwölf. Seitdem hat der 27-jährige Niederösterreicher weiter dazugelernt, ist zum mit einem Jahresbudget von 15 Millionen Euro ausgestatteten World-Tour-Team Bahrain-Merida gewechselt, wo er mit Spitzenfahrern wie Vincenzo Nibali mitfährt - und dabei bisher eine außerordentlich gute Figur macht. Egal ob mit dem Sieg beim Gran Premio di Lugano, mit dem zweiten Platz bei der Japan-Rundfahrt, mit guten Leistungen bei wichtigen Etappenrennen wie der Tour de Romandie oder als loyaler Helfer hat er die Teamführung so überzeugt, dass sie ihn nach nur einer halben Saison schon mit einer Vertragsverlängerung für zwei weitere Jahre ausgestattet hat. "Hermann hat uns wirklich beeindruckt. Seine Leistungen und Ergebnisse übersteigen all unsere Erwartungen. Wir sind sicher, er wird uns in den nächsten Jahren weiter überraschen", meint Teamchef Brent Copeland.

Gelungener Balanceakt


Auch Pernsteiner selbst ist mit der ersten Saisonhälfte zufrieden, wenngleich er zugibt, dass es "schon ein hartes Business" ist. "Natürlich muss ich viel lernen, auch vom Taktischen her", sagt er. "Jeder fährt im Prinzip auch für seinen eigenen Vertrag und muss natürlich gleichzeitig den Teamverpflichtungen nachkommen." Bisher ist dieser Balanceakt aber gut gelungen, und auf heimischem Boden hat er nun den Vorteil, auf eigene Rechnung fahren zu dürfen und dabei eine starke Mannschaft um sich zu haben. Sein sportlicher Leiter Harald Morscher traut ihm jedenfalls viel zu. "Er wird sicher eine sehr gute Figur machen. Wir sind für viele Situationen gerüstet, wofür andere vielleicht nicht gerüstet sind", meint er zur Austria Presse Agentur. Pernsteiner selbst spricht nicht gerne von einem möglichen Sieg - einzuwenden hätte er aber nichts dagegen. "Die Form sollte jedenfalls passen", meint er.