Kitzbühel. Hermann Pernsteiner hat die hohen Erwartungen fast vollständig erfüllt und den Sieg am Kitzbüheler Horn nur knapp verpasst. Der Niederösterreicher aus der weiterhin dominanten Bahrain-Mannschaft wurde am Montag auf der dritten Etappe der Österreich-Radrundfahrt neun Sekunden hinter Ben Hermans Zweiter. Auch im Gesamtklassement ist er nach dem ersten großen Schlagabtausch erster Jäger des Belgiers.

Dem 27-Jährigen fehlen vor der nächsten Bergetappe am Dienstag nach Prägraten in Osttirol nur 18Sekunden auf Hermans. "Es hat sehr gut gepasst, ich habe mich heute gut gefühlt. Mein Team war einfach nur großartig, meine Kollegen haben mich bis zur Zwei-Kilometer-Marke gebracht", sagte Pernsteiner, der im immens steilen Schlussanstieg lange vom bisherigen Spitzenreiter Giovanni Visconti als Tempomacher unterstützt worden war.

Die Lücke nach der entscheidenden Attacke von Hermans einen Kilometer vor dem Ziel beim Alpenhaus auf 1670 Metern Seehöhe habe er leider nicht mehr schließen können. "Ich habe noch alles rausgeholt, es war dann im Ziel ganz knapp. Aber mit dem zweiten Platz bin ich zufrieden", meinte der 55 Kilogramm leichte Kletterspezialist aus der Buckligen Welt.

Im 7,5 Kilometer langen Anstieg auf sich allein gestellt war hingegen Hermans gewesen. Der seit heuer für das Zweitliga-Team Israel Cycling Academy fahrende Routinier jubelte bei idealem Wetter mit kühlen Temperaturen über seinen ersten Saisonerfolg. "Ich habe mit den Top Ten gerechnet, mit dem Sieg habe ich mich aber selber überrascht", sagte der 32-Jährige, der die Auffahrt mit 29:23 Minuten in der drittbesten Zeit der Geschichte absolviert hatte. 2015 war der Ex-BMC-Profi schon einmal Zweiter auf dem Horn und im Endklassement der Tour gewesen. Die Streckenkenntnis sei ein Vorteil gewesen, deshalb habe er im Gegensatz zu erfolglosen Versuchen anderer erst spät attackiert, erläuterte Hermans. Mit dem Thema Gesamtsieg will er sich noch nicht beschäftigen. "Wir werden sehen, ich wollte meinen ersten Saisonsieg, das Kitzbüheler Horn ist ein wirklich sehr schöner Erfolg."

Hermans sieht nach wie vor die stark besetzte Bahrain-Truppe mit Pernsteiner, die die ersten beiden Etappen gewonnen hatte, in einer besseren Position. "Wir haben kein so gutes Team wie Bahrain, aber man braucht auch Erfahrung und das nötige Glück." Auch Pernsteiner weiß um die Bedeutung einer starken Mannschaft. "Das kann sicher den Ausschlag geben, aber schauen wir einmal, wie die nächsten Tage laufen", meinte der heuer im Grand Prix Lugano siegreiche Niederösterreicher.

Lediglich acht Sekunden hinter Pernsteiner lauert im Gesamtklassement der Italiener Dario Cataldo (Astana) auf Rang drei. Dahinter folgt je 40 Sekunden zurück das Schweizer Team-Vorarlberg-Duo Matteo Badilatti und Patrick Schelling.

Riccardo Zoidl büßte als Zwölfer und zweitbester Österreicher mehr als eine Minute ein. "Das ist nicht super-super, aber es ist okay. Nach Rang 25 mit über vier Minuten Rückstand im Vorjahr bin ich echt zufrieden", sagte der Rundfahrtsieger von 2013 über seinen Auftritt auf dem ungeliebt steilen Anstieg. "Die nächsten Berge liegen mir mehr, und ich kann auf alle Fälle zurückschlagen", hofft der 30-Jährige aus der Felbermayr-Mannschaft.