Innsbruck. (art) Die Ouvertüre ist ganz und gar unsportlich, und das ist durchaus so gewollt. Am Freitag, einen Tag vor der Eröffnung der Radsport-WM in Tirol samt Radparade, erwacht das Innsbrucker Landestheater mit der Premiere von "Carmen" aus dem Sommerschlaf, die Veranstaltung wird live per Videoleinwand im Zielgelände übertragen. Es passt ins Konzept der laut WM-Geschäftsführer Georg Spazier "operativ und logistisch vermutlich bisher größten Sportveranstaltung in Tirol", schließlich wolle man mit dem Rahmenprogramm, Konzerten, Kinderveranstaltungen, einer Expo und Tiroler Brauchtumsveranstaltungen auch Menschen ansprechen, "die mit dem Radsport nicht auf Du und Du sind".

Im Mittelpunkt stehen freilich immer noch die insgesamt zwölf Rennen binnen acht Tagen; doch dass eine Veranstaltung wie diese auch für Werbezwecke genützt werden soll, liegt auf der Hand. Schließlich lässt man sich die WM auch einiges kosten, rund 13 Millionen Euro beträgt das Budget. Dass dies großteils aus öffentlichen Mitteln kommt, hatte im Vorfeld für Diskussionen gesorgt, in den vergangenen Tagen konnten aber noch Großsponsoren akquiriert werden, die einen Teil davon abfedern. Dem gegenüber steht die Wertschöpfung, die, geht es nach den Veranstaltern, höher ausfallen könnte als jene 25,3 Millionen Euro, die das Wirtschaftsprüfungsbüro Ernst & Young für die WM 2017 in Norwegen errechnet hat. Laut Wirtschaftskammer Tirol bleiben die Gäste im Schnitt dreieinhalb Tage und lassen dabei pro Tag rund 120 Euro in der Region. Dazu kommen die erhofften Effekte für den Tourismus: Florian Phleps, Prokurist der Tirol Werbung, rechnet mit 250 Millionen TV-Zuschauern in 150 Ländern. "Eine Kooperation mit Eurosport hat im Vorfeld der WM bereits fast 40 Millionen Menschen in Europa zum Teil mehrfach erreicht und damit 150 Millionen Kontakte generiert", berichtet er. Noch wichtiger seien aber "die vielen Initiativen für den Radsport in Tirol, insbesondere auf infrastruktureller Ebene, wie neue Radwege, Beschilderungen oder der Online-Routenplaner radrouting.tirol. Diese Programme werden in den kommenden Jahren fortgeführt. Davon profitieren die Tirolerinnen und Tiroler sowie unsere Gäste langfristig", meint Phleps.

Verkehrsbehinderungen


Karin Seiler-Lall, Chefin von Innsbruck Tourismus, sieht dies ähnlich und streicht vor allem die neuen Möglichkeiten über Online-Plattformen hervor. Dort habe es in den vergangenen 30 Tagen schon 2500 Veröffentlichungen "und einen Werbeäquivalenzwert im letzten halben Jahr von über 17,4 Millionen Euro" gegeben. "Damit übertrifft der Werbewert der Titelkämpfe bereits im Vorfeld alle Erwartungen", sagt Seiler-Lall. Auf der Online-Trainingsplattform Zwift kann etwa der Innsbrucker Rundkurs virtuell befahren werden. "Der Kurs steht Millionen von Rennradfahrern weltweit auch nach der WM zur Verfügung. Und wer weiß, die Sportler wollen die Attraktionen an der Strecke und die Routen irgendwann auch real erleben", hofft die Tourismus-Chefin.

Weniger begeistert werden freilich die Autofahrer sein. Anders als bei vielen anderen Veranstaltungen findet eine Rad-WM nun einmal auf öffentlichen Verkehrswegen statt. Die ÖBB weitet ihr Angebot zwar für die Dauer der Titelkämpfe aus, Behinderungen werden aber wohl nicht ausbleiben. Immerhin, am Eröffnungstag sollten sich die Diskussionen darüber in Grenzen halten: Der Samstag, 22. September, ist offiziell Österreichs autofreier Tag 2018.