Innsbruck. (art) Nun gut, das Ergebnis konnte aus österreichischer Sicht nicht mit der Gesamtbilanz mithalten. Der heimische Teamkapitän Patrick Konrad landete beim finalen Höhepunkt der Rad-WM in Tirol, dem Straßenrennen der Herren, von Krämpfen geplagt nur auf dem 59. Rang, mehr als Platz 45 war auch für den besten Österreicher Michael Gogl nicht drinnen. Die übrigen Lokalmatadore, Felix Großschartner, Gregor Mühlberger, Lukas Pöstlberger und Georg Preidler kamen ebenso die der slowakische Topstar Peter Sagan beim Sieg des spanischen Altmeisters Alejandro Valverde gar nicht in die Wertung. Der schwierige und bergige Kurs hatte seinen Tribut und die Fahrer bis aufs Letzte gefordert.

Doch trotz dieses Wermutstropfens zogen die Veranstalter der WM - die aus österreichischer Sicht den Höhepunkt mit der sensationellen Goldfahrt der Juniorin Laura Stigger gebracht hatte - hochzufrieden Bilanz. Rund 600.000 Zuschauer in Tirol und mehr als 200 Millionen Menschen vor den TV-Geräten haben die Erwartungen übertroffen. Sie hätten "ein Bild unseres Landes" gesehen, "auf das man stolz sein muss", meinte Tirols Landeshauptmann Günther Platter. "Es war eine WM der Superlative", befand Sportlandesrat Josef Geisler (beide ÖVP). Dies will man nun freilich auch in Zahlen ummünzen. Die Kalkulation der Gesamtreichweite wird zwar noch einige Zeit in Anspruch nehmen, laut Karin Seiler-Lall, der Direktorin von Innsbruck Tourismus, habe man aber alleine online einen Werbewert von 82,7 Millionen Euro erzielt.

Auch die Fahrer waren voll des Lobes für die Organisation, an der rund 1500 freiwillige Helfer beteiligt waren. Trotz der Enttäuschung sprach Gogl von einem "Mörder-Feeling; auch Konrad meinte, man werde eine solche Veranstaltung wohl nicht mehr so bald erleben. Sein Resultat sei "eine bittere Enttäuschung", sagte er, dennoch wollte er das Ereignis realistisch eingeschätzt sehen. "Jeder hat sein Bestes gegeben. Wir sind eine junge Mannschaft. Man kann niemandem einen Vorwurf machen. Es wäre halt das i-Tüpfelchen gewesen, wenn es zu einer Top-Platzierung gereicht hätte."

"Mein emotionalster Sieg"


Ganz anders fiel die Bilanz von Valverde aus, der sich mit 38 Jahren zum zweitältesten Weltmeister der Geschichte krönte. Davor hat er sechsmal Edelmetall geholt - für ganz vorne hat es aber, auch weil er zumeist einen Landsmann vor sich hatte, nie gereicht. Diesmal aber war alles auf Valverde zugeschnitten, und auf der schwierigen Strecke konnte er seine Kletter- und Klassikerqualitäten auspacken. "Für mich war alles perfekt. Die Strecke, das Wetter, die beeindruckende Stimmung, mein Team und die Form", erklärte Valverde. Nach so vielen Jahren endlich Gold erobert zu haben, fühle sich unglaublich an. "Diesen Titel habe ich meine ganze Karriere über gejagt. Das war mein emotionalster Sieg."