Wie funktioniert die Loci-Methode?

Die Loci-Methode ist quasi ein Dateisystem im Gehirn mit vorgefertigten Routen, wo man im Geist durch den Garten oder durch das Haus geht, vorgefertigte Stationen aufsucht und dort bestimmte Inhalte ablegt. Also das, was wir vor dem Interview im Garten gemacht haben: Das Eingangstor, die Garage - dort merkt man sich die entworfenen Kartenbilder dazu.

Bei Turnieren gefragt werden aber nicht nur Spielkarten und Zahlen, sondern auch Wörter.

Bei Wörtern ist es so: Wir haben uns vorhin Wörter gemerkt, die man angreifen kann. Bei der WM kommen aber auch Wörter wie "Phantasie" oder "Intelligenz" hinzu. Diese ist nicht angreifbar, aber auch Verben wie "laufen" oder Adjektive - Adjektive sind am schwierigsten. Das kann man sich nicht bildlich vorstellen, da muss man sich etwas überlegen.

Bei den Turnieren werden die Wörter auf Englisch vorgelesen und direkt übersetzt. Da hatten Sie auch schon einmal Probleme ...

Das lag daran, dass die Übersetzung mangelhaft war, aber das war früher, jetzt ist es schon viel professioneller. Damals wurde vom Englischen übersetzt, aber die übersetzten deutschen Wörter hat es gar nicht gegeben.

Also war die Übersetzung einfach schlecht?

Genau. Die größeren Probleme gab es aber beim Chinesisch, weil die Sprache doch anders funktioniert als unsere. Vor allem beim Merken von Namen hat es hier immer Diskussionen gegeben, bei Wörtern nicht. Das waren meistens europäische Namen, aber es wird jetzt geschaut, dass es einen internationalen Mix gibt, was das Ganze aber schwieriger macht.

Wie würden Sie sich den fiktiven Namen Chuao Ping merken?

Chuao? Da würde ich mir einen Hund vorstellen. Und bei Ping einen Tischtennisball. Also einen Hund, der Ping Pong spielt. Man muss immer schauen, dass man irgendeine Assoziation herstellt.

Profitieren Sie eigentlich im Alltag von diesen Memoriertechniken?

Es hat mir natürlich beim Studium geholfen. Es hilft vor allem dann, wenn man sich strukturierte Informationen merken muss - eine gewisse Reihenfolge oder so. Ich habe Jus studiert, für das Lernen von Paragraphen war das natürlich eine Auflage.

Insgesamt scheint das Auswendiglernen von Dingen ja nicht mehr den Stellenwert zu haben wie früher. Was man wissen will, kann man mit dem Smartphone googeln. Finden Sie das bedauerlich, dass sich die Leute weniger merken?

Ja, schon. Wir haben in meiner Kindheit beispielsweise sehr viel Memory gespielt. Und da sind ja die Kleinkinder den Erwachsenen meistens überlegen, weil Kinder noch viel mehr Vorstellungskraft haben als der Erwachsene, der ja viel mehr mit Logik arbeitet. Mein Interesse war aber eher immer in Richtung Zahlen und Rechnen. Das ist meine große Leidenschaft, und ich habe auch 2012 bei der Kopfrechnen-Weltmeisterschaft in der Türkei mitgemacht. Es ist unglaublich, welche Leistungen da gebracht werden. Vor allem die Asiaten haben uns da viel voraus.