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Update: 07.11.2018, 16:43 Uhr

Tischfußball

Die Geschichte des Wuzzelns




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Von Stefan Mayer

  • Tischfußball wird weltweit fast überall gespielt. Am Wochenende finden in Wien die Staatsmeisterschaften statt.

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Wien. Nicht alles, was mit Fußball zu tun hat, muss immer seinen Ursprung in Großbritannien haben. Die Geschichte des Tischfußballs ist zu Beginn vielmehr eine, die von Frankreich, der Schweiz und den USA bestimmt wurde. Wer die Person war, die das Spiel erfunden hat, lässt sich nicht ganz eindeutig nachvollziehen. Es gibt aber einige Hinweise zu den möglichen Ursprüngen des Spiels - und diese sind in den unterschiedlichsten Ländern zu finden.

Rund um 1900 soll "Hackersche" (ein in Süddeutschland verwendeter Ausdruck) parallel in mehreren Ländern entstanden sein. Als Erfinder wird zumeist Lucien Rosengart, ein Industrieller, Ingenieur und der spätere Gründer des Automobilherstellers Automobiles L. Rosengart aus Paris, angesehen. Der Grund des damals bei Citröen beschäftigten Rosengart, sich solch einen Tisch auszudenken, war, die Langeweile seiner Enkel bei Schlechtwetter zu vertreiben. So erzählt es zumindest eine Theorie, eine weitere geht davon aus, dass das Spiel von einem Schweizer Unternehmen entwickelt worden ist. Der Hersteller mit den Namen Kicker aus Genf soll besonders in der Schweiz, Deutschland sowie Belgien und den Niederlanden großen Erfolg gehabt haben. Ein Indiz dafür ist der Umstand, dass das Wort Kicker in Deutschland und der Schweiz auch heute noch als Synonym für Tischfußball gilt. Die dritte Möglichkeit, wie das Spiel entstanden sein könnte, hat mit der Rehabilitation von Soldatenhänden zu tun. So wäre es in den USA dazu entworfen worden, um die verletzten Hände der aus dem Krieg zurückkehrenden Soldaten, wieder zu stärken, und wurde danach unvorhersehbar zu einem veritablen Erfolg bei einem breiteren Publikum.


Egal welche Theorie nun stimmen mag, gesichert ist, dass in den 1930er Jahren die Massenfertigung von Tischfußballtischen durch das französische Unternehmen Bonzini begann. Ab dieser Zeit wurden auch erstmalig Teleskopstangen verwendet, die das Spiel revolutionieren sollten. Denn zuvor waren die Stangen noch am Kopfende angebracht, und die Tische sahen daher deutlich anders aus als die, die wir heute kennen.

Erste Ligen etablierten sich in Europa ab den 1950er Jahren. Mit 1976 gründete sich die europäische Tischfußball Union (ETU), die später in der International Table Soccer Federation (ITSF) aufgehen sollte. Diese setzte sich zum Ziel, das "Wuzzeln" olympisch zu machen. Doch müssen erst die Eigenschaften der fünf verschiedenen verwendeten Tischtypen homogenisiert werden, damit dieser Olympiawunsch auch realistisch erfüllt werden kann.

In Österreich wird der Garlando-Tisch bei Turnieren verwendet. Der gleichnamige, aus Alessandria im Piemont stammende Hersteller setzte sich hierzulande früh durch. Die Eigenheit dieses Tisches im Vergleich zu den anderen Fabrikaten: Er wird mit Glasplatte gespielt, sodass der Ball nicht das Weite suchen kann, während die übrigen Erzeuger auf Tische ohne Abdeckung setzten.

Alle Altersgruppen
Die Hochblüte des Spiels in Österreich kann in den 1970er Jahren festgemacht werden. So stand damals in sehr vielen Lokalen zumindest ein Wuzzeltisch. Dieser stand selten still und wartete meist nicht lange, bis ihn die nächste Runde ordentlich bearbeiten sollte. Mit der Zeit verschwanden jedoch viele Spielgeräte aus den Cafés, doch gleichzeitig ging der Trend immer mehr in Richtung Eigenheimtisch. Um einer kompletten Isolation entgegenzuwirken, gründete sich schließlich im Jahr 2002 der Tischfußballbund Österreich (TFBÖ), der den Sport etablieren und fördern sollte. Turniere fanden und finden auf Regional- und Landesebene beinahe im Wochenrhythmus statt. Eines der jährlichen Highlights stellt sicher die seit 1992 stattfindende Staatsmeisterschaft dar. Traditionell wird diese zumeist Mitte November gespielt. Austragungsort in diesem Jahr von Freitag bis Sonntag ist das Plus Bowling Center im 17. Wiener Gemeindebezirk. In unterschiedlichen Bewerben werden an den drei Tagen die Champions gekürt; von Damen und Herren Einzel sowie Doppel bis hin zu Junioren und Senioren Einzel und Doppel wird alles und jede/r vertreten sein, die oder der nicht ablassen kann vom schnellen Stangendrehen. Gut möglich, dass eine zukünftige Verena Rohrer oder ein zukünftiger Kevin Hundstorfer dabei sein könnten. Die Wienerin und der Welser gehören nämlich weltweit zu den Besten, die dieser Sport zu bieten hat.




Schlagwörter

Tischfußball, Wuzzler, Fußball

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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-11-07 16:25:10
Letzte Änderung am 2018-11-07 16:43:49


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