Noch ehe der erste Ball bei den am Montag beginnenden Australian Open in Melbourne geschlagen wurde, sind am Freitag die Emotionen hochgegangen: Andy Murray kündigte unter Tränen seinen Rücktritt bis spätestens Wimbledon im Juni an. Der zweifache Olympiasieger und dreifache Grand-Slam-Sieger gilt als einer der Big Four im Tennis neben Roger Federer, Rafael Nadal und Novak Djokovic. 2012 und 2016 hatte er Olympiagold gewonnen, 2012 die US Open sowie 2013 und 2016 Wimbledon. Danach hatte er zwischendurch den Weltranglistenthron erklommen.

Es ist wohl der Beginn eines Abschieds einer großen Ära im Tennis. Denn auch das Karriere-Ende des im August 38 Jahre alt werdenden Roger Federer ist absehbar, Nadal muss immer wieder wegen Knieproblemen pausieren. Murray leidet seit 20 Monaten unter Schmerzen in der rechten Hüfte, auch eine Operation im Jänner des Vorjahres hat nicht die erhoffte Besserung gebracht. Die Australian Open 2018 werden möglicherweise sogar sein letztes Turnier sein, das konnte der 31-jährige Schotte, der nur eine Woche älter als Djokovic ist, jedenfalls auch nicht ausschließen. "Diese Möglichkeit besteht sicherlich", sagte er, nachdem er auf eine entsprechende Frage hin zunächst gestockt und die Tränen weggewischt hatte.

Damit könnte Roberto Bautista Agut zu jenem Mann werden, der die Karriere eines der besten Tennisspieler des vergangenen Jahrzehnts beendet. Der Spanier ist der Erstrundengegner Murrays und hat seine Topform zuletzt mit dem Sieg beim Turnier in Doha unter Beweis gestellt. Murray indessen befindet sich laut eigenen Aussagen "nicht auf jenem Level", mit dem er glücklich sei. Das betrifft freilich nicht nur sein Tennisspiel: "Ihr seht mich auf dem Platz herumlaufen, und ich weiß, es sieht nicht gut aus. Aber es sind auch die kleinen Dinge im Alltag, die Schmerzen bereiten - Dinge wie Schuhe anziehen, Socken anziehen", sagte er. Eine weitere, aufwändigere Operation sei eine Option, eine Rückkehr auf den Tennisplatz danach wohl nicht. "Es ist einfach eine Sache der Lebensqualität."