Melbourne. Nach einem Kräfte und Nerven raubenden Auftaktmatch geht es für Dominic Thiem am Donnerstag bei den Australian Open in eine vermeintlich einfachere Begegnung. Der als Nummer sieben gesetzte Niederösterreicher trifft in Melbourne erstmals auf den nur dank einer Wildcard im Hauptbewerb stehenden Australier Alexei Popyrin. Thiem kennt den 19-Jährigen nur von einem Training in Roland Garros. Das Match ist ab 8Uhr MEZ (live Servus-TV) in der Melbourne Arena, dem drittgrößten Stadion des Turniers, angesetzt worden.

Einen Nachteil im langen, nächtlichen Fünf-Satz-Thriller gegen Benoît Paire sieht Thiem übrigens nicht. Natürlich wird er zur Regeneration freilich etwas weniger Zeit als üblich haben. "Ich habe ein wirklich hartes Match gegen Benoît erwartet, aber natürlich habe ich nicht erwartet, dass wir erst um 2 Uhr Früh fertig werden", meinte Thiem lachend. Der elffache Turniersieger zieht aus dem Sieg über die volle Distanz aber auch Selbstvertrauen, immerhin hatte er ja auch schon einige bittere Fünf-Satz-Niederlagen einstecken müssen. Beim letzten Grand-Slam-Turnier 2018 ist der Marathon gegen Rafael Nadal im US-Open-Viertelfinale (6:7 im fünften Satz) noch vielen in Erinnerung.

Voriges Jahr ähnliche Zitterpartie

"Sicher gibt es mir Selbstvertrauen. Vielleicht ist es so sogar ein bisserl besser, als wenn ich das Match in drei Sätzen gewonnen hätte", meinte Thiem. Auch im Vorjahr habe er, dann eben in Runde zwei gegen Denis Kudla (USA), ein ähnliches Erlebnis gehabt. Da war er zuvor mit einem Dreisatz-Erstrundensieg ins Melbourne-Turnier gestartet, und dann gegen Kudla mit 0:2-Sätzen im Rückstand gelegen. "Da habe ich die Problemchen in der zweiten Runde gehabt. Das habe ich nun alles schon gehabt und ganz gut gelöst. Ich hoffe, dass mir das einen Schub gibt, und ich in der nächsten Runde besser reingehe", erklärte Thiem.

Die Verkrampfung gerade zu Turnierbeginn ist bei Thiem nichts Neues, er benötigt immer einige Matches, ehe er sich sozusagen freispielt. "Mir hat die Lockerheit gefehlt, das ist mir dann ein bisserl auf den Kopf gefallen", meinte er, noch einmal auf sein insgesamt zwölftes Fünfsatz-Match (nunmehr hat er eine 6:6-Bilanz) zurückblickend.

Das späte Ende störte ihn aber nicht sonderlich, schließlich habe er damit schon Erfahrung. "Es ist schon spät, das ist klar" sagte er lachend. "Aber 2017 in Madrid und 2016 in Rio und Acapulco habe ich es ähnlich gehabt. Da bin ich nie vor 4 Uhr ins Bett."

Nun geht es für Thiem gegen den unbekannten Popyrin, der Alexander Zverevs Bruder Mischa in drei Sätzen eliminiert hatte. Thiem kennt Popyrin von einem Training vor zwei Jahren bei den French Open. Da hatte sich Popyrin 2017 zum Junioren-French-Open-Sieger gekürt. "Ich habe ihn ein bisserl gesehen (gegen Zverev, Anmerkung). Es ist immer interessant, gegen einen Jungen zu spielen, der sicher einmal sehr gut wird." Thiem wollte noch ein paar Videos studieren und sich bei anderen Spielern erkundigen.

Sollte sich Thiem in die Runde der letzten 32 spielen, dann trifft er übrigens entweder neuerlich auf einen Franzosen oder auf einen Deutschen. Der Sieger aus Lucas Pouille (Fra-28) gegen Maximilian Marterer wäre am Samstag Drittrunden-Gegner des Schützlings von Günter Bresnik.

Eine Runde weiter ist bereits Titelverteidiger Roger Federer, der am Mittwoch mit einem Dreisatz-Erfolg gegen den Qualifikanten Daniel Evans die dritte Runde der Australian Open erreicht hat. Der Altmeister aus der Schweiz musste gegen den Engländer - nach einer Dopingsperre nur noch die Nummer 189 der Tennis-Weltrangliste - allerdings hart kämpfen, ehe der 7:6(5),7:6(3),6:3-Sieg nach 2:35 Stunden im Trockenen war. In der nächsten Runde trifft Federer auf den als Nummer 30 gesetzten Franzosen Gaël Monfils oder den US-Amerikaner Taylor Fritz.

Wien-Sieger Kevin Anderson muss Heimreise antreten

Wimbledonfinalist Kevin Anderson ist hingegen bereits in der zweiten Runde ausgeschieden. Der Weltranglisten-Sechste aus Südafrika verlor mit 6:4, 4:6, 4:6, 5:7 gegen den US-Amerikaner Frances Tiafoe. Die Nummer 39 der Welt sorgte gegen den US-Open-Finalisten von 2017 und Wien-Sieger 2018 damit für die erste größere Überraschung beim ersten Grand-Slam-Turnier.