Melbourne. (rel/apa) Die fünf Sätze im Auftaktspiel der Australian Open gegen den Franzosen Benoît Paire waren offenbar doch zu viel. Nun ist Dominic Thiem am Donnerstag unerwartet früh aus dem Turnier in Melbourne ausgeschieden. Der Weltranglistenachte gab in der zweiten Runde gegen den Lokalmatador und Wildcard-Spieler Alexei Popyrin nach 1:44 Stunden beim Stand von 5:7, 4:6, 0:2 auf. Die Tenniswelt staunte.

Fix ist: Thiem war gegen Popyrin sichtlich nicht auf gesundheitlicher Höhe. Obwohl bei ihm nicht üblich, zerhackte er gegen Ende des ersten Satzes seinen Schläger und gab die danach folgenden 13 Punkte und damit auch den Satz mehr oder weniger kampflos ab. Im zweiten Durchgang ließ dann der als Nummer sieben eingestufte Niederösterreicher den Arzt auf den Court kommen, aber auch der konnte nicht entscheidend helfen. Thiem wirkte lustlos und - abgesehen vom Zerhacken seines Rackets - emotionslos, schien aber müde und antriebslos gewesen zu sein. Dabei hatte sich der 25-Jährige trotz der Fünfsatzpartie vom Vortag am Mittwoch nach eigenen Angaben gut gefühlt. "Aber ich habe es heute Morgen gemerkt, dass ich nicht ganz auf der Höhe bin. Da hat mir der ganze Körper ungewohnt wehgetan", erklärte er in der Pressekonferenz. Dennoch habe er geglaubt, ein gutes Match spielen zu können. "Dann ist es schlechter geworden." Seinen aktuellen Zustand beschrieb er so: "Müdigkeit plus Schmerzen. Einfach, dass ich mich nicht fit fühle, dass ich mich krank fühle. Deswegen hat es keinen Sinn gemacht, dass ich weiterspiele." Sein Rückflug in die Heimat ist für Freitag gebucht, dann will Thiem der Sache auf den Grund gehen. "Es ist da definitiv irgendetwas im Körper, was nicht hingehört."

Auftaktsieg für Oliver Marach

Tatsächlich ist Thiem beim Major in Melbourne seit seinem Auftakt-Out 2015 nicht mehr so früh ausgeschieden, nach einer Auftakt-Niederlage zu Jahresbeginn in Doha ist sein Saisonstart ergebnistechnisch damit ziemlich missglückt. Dafür lief es für seinen Gegner umso besser: Der erst 19-jährige Australier mit russischen Wurzeln war vor allem zu Beginn bei seinem Servicespiel unantastbar. Thiem hatte da kaum einen Zugriff auf das Spiel und gleich in seinem ersten Service-Game einen Breakball abzuwehren. Allerdings behielt er den Aufschlag bis zum 4:4, ehe er sich vier Breakbälle erarbeitete, die aber alle ungenutzt ließ und mit 5:7 scheiterte. Es folgten 13 in Serie abgegebene Punkte und ein 0:40 bei einem 0:1 und eigenem Aufschlag. Thiem zog sich aber noch aus dieser Situation, bis zum 2:2 hatte er im zweiten Durchgang schon fünf Satzbälle abgewehrt. Nach ärztlicher Konsultation schien es beim French-Open-Finalisten aufwärtszugehen, es schien auf einen Tiebreak hinauszulaufen. Ein abgegebenes Service Thiems zum 4:6 brachte die Vorentscheidung. "Da habe ich das erste Mal geglaubt, dass ich gewinnen kann", meinte Popyrin. Er servierte zum 1:0, ein Rückhandfehler Thiems brachte das 0:2. Dann folgte die Aufgabe.

Damit läuft Thiem nun Gefahr, in der nächsten Weltrangliste am 28. Jänner aus den Top Ten zu fallen, denen er seit Juni 2016 angehört. Auch scheint aktuell zumindest fraglich, wie es mit ihm für den Daviscup in zwei Wochen in Salzburg gegen Chile aussieht. Das sollen medizinische Checks klären. In Australien ist aus österreichischer Sicht nur noch Oliver Marach im Doppel vertreten. Der Steirer und sein kroatischer Partner Mate Pavić haben am Donnerstag ihr Auftaktspiel 7:5, 6:7, 6:0 gewonnen.

Deutlich nach Mitternacht sind indessen die letzten beiden Zweitrundenpartien der Herren zu Ende gegangen. Dabei hatte Alexander Zverev Überstunden zu leisten, denn der Deutsche hätte seinen Sieg gegen Jeremy Chardy rascher als in fünf Sätzen einfahren können. Der topgesetzte Serbe Novak Djoković wiederum bezwang Jo-Wilfried Tsonga 6:3, 7:5, 6:4.