• vom 16.05.2002, 00:00 Uhr

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Update: 07.04.2005, 12:41 Uhr

Sportmedizin: Dr. Bernd Pansold über Leistungsfähigkeit

"Die Reserven sind noch lange nicht ausgeschöpft"




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Von Tamara Slavik

  • Er selbst gilt seit seiner Verurteilung wegen Beihilfe zu Körperverletzung in einem DDR-Dopingfall als umstritten, sein sportmedizinisches Wissen ist allerdings nach wie vor für viele österreichische Topathleten unverzichtbar. Im Rahmen der "Sports-Media-Austria"-Tagung in Pörtschach hielt Dr. Bernd Pansold einen Vortrag über legale Möglichkeiten, seine körperlichen Leistungsfähigkeiten zu steigern.

Ist Spitzensport ohne Doping überhaupt noch möglich? Diese Frage stellen sich seit dem Bekanntwerden von immer mehr Fällen illegaler Einflussnahme auf die körperlichen Leistungsfähigkeit die meisten Sportfans in aller Welt. Dr. Bernd Pansold weiß die Antwort, und sie mag wegen seines Rufs als "Dopingdoktor" überraschen: "Natürlich. Das Leistungspotenzial ist im Moment bestenfalls zu 50 Prozent ausgereizt!" Wie erfolgreich ein Sportler dann tatsächlich ist, hänge von den physischen, psychischen und koordinativ-technischen Voraussetzungen ab. "In der Komplexität" so Pansold, "liegt die Wurzel für sportliche Spitzenleistungen. Wenn irgend etwas nicht funktioniert, ist der Grund ein Mangel in diesem System." Daher müsse es die Hauptaufgabe für Trainer und Betreuer sein, mit diesen drei Säulen ein Grundgerüst zu errichten, auf dem die künftige Karriere aufgebaut werden könne. Und effektiv könne ein Training nur dann sein, wenn ständig trainingsbegleitend Leistungsdiagnostik praktiziert werde. "Denn die äußere Belastung führt zu einer inneren Beanspruchung. Und die kann man anhand biologischer Indikatoren wie Laktatwert usw. messen. Viele trainieren wie Irre, kontrollieren ihre Werte aber nicht und wissen daher nicht, was sie eigentlich in ihrem Körper auslösen." Leere Kilometer.

Und wenn sich der gewünschte Erfolg wegen mangelnder Effizienz nicht einstellt, man trotzdem ob der Härte des Trainings ausgepowert ist, versucht man eben, die Regenerationszeiten mit Hilfe verschiedenster Substanzen zu verkürzen. Hier liege die eigentliche Problematik. "Denn das Maximum aus sich heraus zu holen, verlangt eine sehr genaue Planung", weiß Pansold, der auf diesem Wege zahlreichen namhaften Sportlern wie Schwimmerin Petra Zahrl, den Spielern der Vienna hotVolleys oder auch Skistar Hermann Maier auf die Sprünge geholfen hat. Pansold über seinen wohl prominentesten Athleten: "Bei ihm hat es nichts Geheimnisvolles gegeben, sein Training war nur optimal geplant!"


Dass seine Verurteilung wegen Beihilfe zur Körperverletzung, wegen der er auch aus dem Betreuerteam des ÖSV ausscheiden musste, eine schiefe Optik hinterlässt, macht dem derzeit in Wien praktizierenden Sportmediziner nichts aus: "Andere haben einfach mein Wissen benützt. Und ich habe nie ein Hehl daraus gemacht, dass ich nach 30 Jahren Erfahrung viel weiß!" Für Pansold gibt es zwei Gründe, warum immer mehr Sportler zu Nadel und Tablette greifen: "Je größer das Wissen, desto größer die Versuchung. Und je größer das Unwissen, desto größer die Neugierde. Und das ist letztlich noch schlimmer!"



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Dokument erstellt am 2002-05-16 00:00:00
Letzte Änderung am 2005-04-07 12:41:00

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