Das Vokabular des Sports ist mitunter kriegerisch. Ausdrücke wie "Offensive, Abwehr, tödlicher Pass" oder "Gegner vernichten" zählen noch zu den harmloseren. Bei der Super Bowl am Sonntag, die die Baltimore Ravens mit 34:7 gegen die New York Giants gewannen, konnte man Assoziationen zwischen Sport und Krieg ableiten. Leider.D

as "Raymond James Stadium" war mit über 72.000 sportbegeisterten Zuschauern ausverkauft und schon eine Stunde vor Ankick konnte man die Spannung hautnah spüren. Die Veranstalter verstanden es aber auch, die ausgelebten Emotionen für sich zu verwenden und die Faszination der Kriegsmaschinerie mit der des Sports zu verbinden.

Ray Charles sang "Beautiful America" während der Tarnkappenbomber beinahe lautlos über die jubelnde Menge flog. Danach legten die Backstreet-Boys Hand aufs Herz und intonierten die Hymne, flankiert von Vertretern des Militärs, die die "Stars&Stripes" hissten. Selbst die fünf Militärjets der US Air Force, die in Formation über Tampa einbrachen, konnten die stimmgewaltigen Zuschauer nicht übertönen. Den symbolischen Ankick durfte General Schwarzkopf vornehmen, der eine indirekte dafür umso stärkere Bindung zur Super-Bowl hat. Vor zehn Jahren konnte er mit seiner Invasion im Irak das zur gleichen Zeit stattfindende Finalspiel an Zuschauerquoten überbieten. Ein Jahrzehnt später gibt es für Amerika keinen Krieg aber Football noch immer. So brachte man beides unter einem Hut.

Ravens dominierten Giants

Die Hauptattraktion blieb aber dennoch das Spiel der Spiele. Die Baltimore Ravens gegen die New York Giants. Ein Aufeinandertreffen zweier Defensivkünstler, das nicht allzu viel Hoffnung auf eine "bomb"astische Touchdown-Orgie gab. Die erste Hälfte bestätigte auch diese These als die Raben mit 10:0 in Führung lagen und das Spiel von wenig Raumgewinn und zu vielen Fehlpasses geprägt war. Nach einer fulminanten Pauseneinlage von Aerosmith, N'SYNC und Brittney Spears, die ein wenig an die Showeinlagen an der Front während des zweiten Weltkrieges erinnerte, konnten die Baltimore Ravens den Vorsprung mit Hilfe eines routinierten Quaterbacks Trent Dilfer und dem überragenden Defensivmann Ray Lewis (wurde zum Most Valuable Player gewählt) ausbauen und die "Vince Lombardi Trophy" in die Höhe stemmen. Der Gegner ist am Boden, der Kampf entschieden. Nun herrscht wieder für ein Jahr Frieden. Bis zur nächsten Schlacht, freilich im Football.