"Wiener Zeitung

Oskar Deutsch erwartet großes Interesse an den Makkabi-Spielen in Wien. Foto: Sternisa
Oskar Deutsch erwartet großes Interesse an den Makkabi-Spielen in Wien. Foto: Sternisa
": Ist es heutzutage noch zeitgemäß, jüdische Spiele zu veranstalten? 2011 sollten Zugehörigkeiten eigentlich keine Rolle mehr für die Teilnahme an sportlichen oder anderen Veranstaltungen spielen.

Oskar Deutsch: Da muss man schauen, warum es die Makkabiade gibt. Weil zu Beginn des 20. Jahrhunderts jüdische Sportler überall in Europa aus nationalen Verbänden ausgeschlossen wurden. Also organisierten sie sich in eigenen Vereinen, um sich sportlich zu betätigen. In Wien entstand so der jüdische Sportverein Hakoah, es gab ja damals zirka 200.000 Juden in Wien. Dazu kommt, dass Tradition uns Juden besonders wichtig ist. Aber wir kapseln uns nicht ab, es gibt viele verschiedene Veranstaltungen. Die Freude der Sportler bei den Spielen ist ungeheuer, das kann jeder sehen. Und darum geht es ja eigentlich.

Die Makkabi-Spiele gibt es seit 1932. Sie finden alle zwei Jahre statt, abwechselnd in Israel und Europa. Zum ersten Mal finden die Spiele in Wien statt, in Deutschland waren sie noch nie. Das hat politische Gründe, nehme ich an?

Wir bemühen uns seit vielen Jahren, die Spiele nach Wien zu bringen. Aber in großen Makkabi-Verbänden wie in England sitzen auch alte Österreicher, für die es nicht einfach war, auf ehemaliges nationalsozialistisches Gebiet zurückzukehren. Aber wir haben uns gut vorbereitet, und Wiens Bürgermeister Michael Häupl hat uns sehr unterstützt, viele Briefe geschrieben. Ein weiterer Punkt war das modernisierte Hakoah-Sportzentrum, sodass wir uns gegen St. Petersburg, Stockholm und Madrid durchsetzen konnten.

Ich nehme - leider - an, dass Sicherheit ein wichtiges Thema sein wird?

Das gilt für sportliche Großveranstaltungen generell. Aber es wird ein großes Sicherheitsaufkommen geben.

Wie viele Sportler werden kommen? Wie schaut es mit dem Budget aus?

Es werden zwischen 2200 und 2300 Sportler plus Fans, Verwandte, Bekannte, Journalisten da sein. 2009 in Rom waren es 1750. Es wird sicher eine Rekord-Teilnahme, das zeigt schon das enorme Interesse an Wien. Und das Budget macht 3,3 Millionen Euro aus. Es gibt Sponsoren und Teilnahmegebühren. 600.000 Euro kommen von der Gemeinde Wien, 400.000 vom Bund.

Was erwarten Sie für Wien und die Kultusgemeinde von den Spielen?

Das jüdische Interesse an Wien ist sehr groß, was sich schon an der Teilnehmerzahl zeigt. Die Stadt kann sich als das präsentieren, was sie mittlerweile ist: weltoffen und mit attraktiven Angeboten, es kommen ja Leute aus 39 Ländern hierher, auch Journalisten. Für die Kultusgemeinde bedeuten die Spiele zu zeigen, dass in Wien jüdisches Leben möglich ist und stattfindet - egal ob Religion oder Kultur.

Veranstaltungsort für die 19 Disziplinen ist das Sportzentrum Hakoah im Wiener Prater?

Großteils, aber nicht nur. Manche Bewerbe finden in Niederösterreich statt, etwa Tischtennis. Und es gibt ein großes Rahmenprogramm. Die Eröffnungsfeier, mit dem Einzug der Sportler, wird am Rathausplatz sein. Und es gibt während den Makkabi-Spielen ein kulturelles Rahmenprogramm und Sightseeing-Angebote.