• vom 18.06.2005, 00:00 Uhr

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Pferdesport: Die Freudenau sieht einer ungewissen Zukunft entgegen - Sonntagsderby im Racino

Der Abgalopp der Kirchenmäuse




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Von Günther Lehner

  • Erst kamen die Aristokraten, dann das Proletariat. Es ging recht schnell. Plötzlich zogen Scharen von Fußballfans durch den Wiener Prater, die Jogger folgten, schließlich fuhr auch die "Generation Golf" ihre Wagen im weitläufigen Areal auf. Die Galopprennbahn Freudenau hatte in diesen Zeitläufen stets ihren festen Platz - den sie nun aber zumindest im klassischen Sinn aufgeben muss.

Verfallende Schönheit. In der Freudenau bröckelt die Fassade immer schneller. G. Lehner

Verfallende Schönheit. In der Freudenau bröckelt die Fassade immer schneller. G. Lehner Verfallende Schönheit. In der Freudenau bröckelt die Fassade immer schneller. G. Lehner

Wenn am Sonntag in Frank Stronachs Magna Racino von Ebreichsdorf das 137. Österreichische Galopperderby über die Bühne geht (Renntag ab 13.30 Uhr), werden in der Freudenau bestenfalls Golfschläger geschwungen. Was bleibt, ist vor allem Nostalgie.


Schwüle liegt über dem Galopp-Oval. Noch sorgen Sprinkleranlagen für saftiges Grün, in zwei Stunden schon wird der Regen diese Aufgabe übernehmen. Hinter der Hecke, die als Begrenzung der Rennbahn dient, taucht ein Golfer-Torso auf. Der Gang der Zeiten ist unerbittlich. Hielt sich die Zahl der Pferderenn-Freunde mit jener der Putting-Süchtigen die Waage - der Freudenau wäre wohl ein glücklicheres Schicksal vergönnt. Ein Lamento, das auch in anderen etablierten Sportarten angeschlagen, hier aber, wo zwei Welten aufeinander prallen, doppelt spürbar wird. Mit Ausnahme des Magna Racinos ist der Galoppsport hierzulande nicht eben auf Rosen gebettet. In der Freudenau herrscht seit 2004 Funkstille, heuer sind zwei mehr oder weniger volle Renntage das Höchste der Gefühle.

1918 und kein Ende

Nicht, dass man urplötzlich vor einem Scherbenhaufen stünde. Genauer betrachtet ist der Status Quo lediglich vorläufiger Endpunkt jener schleichenden Abwärtsentwicklung, die die geschichtsträchtige Institution schon am Ende der Monarchie erfasst hat. Die goldenen Zeiten, verkörpert durch die architektonischen Zeugen, sind längst passé. Darüber vermag auch ein trüber Blick aus der berühmten und gut in Schuss befindlichen Kaiserloge über die 2.800 Meter lange Rennbahn, die dank ihrer pittoresken Lage als echtes Juwel bezeichnet werden darf, nicht hinweg zu täuschen.

Das Büro im Grünen

Immerhin: "Wenn ich in die Arbeit fahre, habe ich nie das Gefühl, dass ich ins Büro komme", sagt Julia Habel, während sie aus dem Verwaltungsgebäude hinter der Bahn tritt. Habel ist Assistentin der Geschäftsleitung der Interrace Rennbahn Management (IRM), also jener GesmbH, die seit 1996 auf Grund eines mit der Republik abgeschlossenen Baurechtsvertrages für die Erhaltung und den Betrieb des Denkmal geschützten Areals verantwortlich ist. Und als Rennveranstalter den Österreichischen Rennverein Wien Freudenau zur Seite hat. Die letzte Dekade gestaltete sich freilich nicht allzu leicht. Zwischen der IRM und den in der Freudenau ansässigen Platzhirschen vom - inzwischen nicht mehr existenten - Wiener Galopprennverein hatte sich Anfang der Neunziger ob der vermuteten (Immobilien-) Ziele der IRM ein formidabler Streit entzündet. Zank, Drohungen, Aussperrungen, Demonstrationen vor dem Parlament - es gab nichts, was nicht am Spielplan der leidenschaftlich geführten Auseinandersetzung stand.

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Dokument erstellt am 2005-06-18 00:00:01
Letzte Änderung am 2005-06-17 19:03:00

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