Deswegen gehen der Österreichische Skiverband (ÖSV) und die Schule für Dichtung anlässlich der Ski-WM in St. Anton eine Symbiose ein, die die zwei Phänomene "Sport und Poesie" zum Thema hat.

In der Literaturgeschichte gibt es ja genügend, aber anscheinend nicht genug, Beispiele, wie sich die Kunst mit der Kunst des Sports auseinandersetzt. Am bekanntesten ist natürlich ein Friedrich Torberg, ein Bert Brecht aber auch ein gewisser Wolfgang Bauer.

Versuch am lebenden Objekt

Genau jener Wolfgang Bauer, der im Rahmen der Ski-WM eine Schreibklasse vor Ort betreuen wird, die sich innerhalb des Titels "schreiben-spiel-sport" literarisch betätigen muss. Man könnte es natürlich auch den Versuch am lebenden Objekt nennen. Maximal zehn Studenten haben die Möglichkeit, sieben Tage in St. Anton zu weilen und sich von den täglichen Ereignissen rund um die körperliche Ertüchtigung inspirieren zu lassen. Die Leitung übernimmt Bauer, der den Studenten sowohl in Einzelgesprächen als auch Gruppenarbeiten zur Seite steht. "Ich sehe mich eher als Coach, denn als Lehrer. Das Schreiben kann man einem nicht erlernen. Es muss dafür ein gewisses Maß an Talent gegeben sein, mit dem man dann arbeiten kann.", so Bauer.

Wie aber wird man einer dieser zehn Studenten? Die Anmeldung erfolgt ab sofort bis 8. Jänner bei der Schule für Dichtung. Dem Anmeldeformular müssen eine kurze Vorstellung sowie drei Seiten eigener Arbeiten beigelegt sein. Kann man die Teilnahmegebühr von öS 7.500,- nicht bezahlen, besteht noch Hoffnung auf eines von vier Stipendien, gesponsert von der Stadt Wien und der Gemeinde St. Anton.

Ein philosophischer Streit des ÖSV-Präsidenten

Dass diese Unternehmung dialogisch ablaufen soll, dafür garantiert schon Bauers philosophische Betrachtung der einzelnen Sportarten. "Bei Mannschaftssportarten, wie etwa dem Fußball, hat man eine andere Struktur der Dramaturgie wie bei der Einzelsportart Skifahren.", erklärt Wofgang Bauer, um gleich von ÖSV-Präsident Peter Schröcksnadel eine Rüge erteilt zu bekommen. Er als Verbandspräsident sehe den Skifahrer nicht so sehr als Einzelsportler wie ihn gerne die Medien oder die Bevölkerung darstelle. "Und eine eingeschränkte Kreativität gegenüber den Fußballern, nur weil durch die Stangen der Lauf schon vorgegeben ist, sehe ich auch nicht. Wenn man bedenkt, dass ein Hermann Maier als letzter Starter eines Riesentorlaufes absolute Bestzeit fährt, dann muss er enorm viel Kreativität aufgebracht haben, zu der Läufer vor ihm nicht in der Lage waren.", meint der Präsident, der diesem Pilotprojekt mit Freude entgegensieht. Bauer konterte, indem er meine, dass ein Fußballer im Gegensatz zum Skifahrer die Dramaturgie selber bestimmen könne. "Der Slalomfahrer hingegen muss die Stangen vorschriftsmässig passieren. Er ist wie der Schauspieler, der an die Worte des Dichters gebunden ist. Der Dichter hingegen steckt sich den Slalom selbst und muss dann noch durchfahren."