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Update: 07.04.2005, 13:04 Uhr

Ski alpin: Hermann Maiers Bruder Alex trainierte auch am Kitzsteinhorn

Verdrängt der Alltag den Schock?




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  • Geschockt haben auch Österreichs alpine Ski-Nationalteams in Colorado die Nachricht von der Katastrophe in Kaprun aufgenommen. Die Tragödie ist beim Training in Beaver Creek, wo sich die Herren- und Damen-Teams auf die Weltcup-Rennen in Park City/Utah vorbereiten, natürlich Thema Nummer 1. Es wird daher schwer für die Aktiven, diesem Schock mittels Alltag, der ab Donnerstag in Form von Rennen wieder um sich greift, davonzuwedeln.

"Es hat Aktive und Trainer hart getroffen. Wir werden ständig auf der Piste darauf angesprochen. Wir verstehen es alle nicht", schilderte ÖSV-PR-Mann Manfred Kimmel die Stimmung im Team.

Besonders betroffen war Superstar Hermann Maier, der ja als Salzburger selbst früher in den Novembertagen viel Zeit auf dem Kapruner Gletscher verbracht hat. Sein Bruder Alex, Mitglied des ÖSV-Snowboard-Teams, hatte noch am Tag vor der Katastrophe auf dem Kitzsteinhorn zusammen mit dem Nationalteam trainiert. Hermann Maier war aber sofort angerufen worden, dass sein Bruder wohlauf sei. "Vor allem aber die Trainer haben immer wieder viel Zeit in Kaprun verbracht und kennen dort viele Menschen", so Kimmel.


Der ÖSV ist mit 42 Aktiven und 53 Betreuern in den USA. Am Montag stand im formidablen Hyatt Regency, das zu den 33 besten Hotels der Welt gehört, der ÖSV-Medientag für die US-Medien auf dem Programm. Angesagt hatten sich u.a. ESPN, NBC, US Today aber auch zahlreiche europäische Medien.

Jagd nach neuen Rekorden

Sportlich läuft bei den österreichischen Nationalteams derzeit in Colorado alles perfekt, trainiert wird auf optimal präparierten Kunstschnee-Pisten und auch in Park City ist nach dem letzten Stand der Dinge alles klar für die Rennen. Hans Knauß ist fit, wer für ihn nun aus der Mannschaft muss, wird nicht in einer Qualifikation, sondern durch Trainer-Urteil entschieden.

Aufwärtstrend seit der Saison 1994/95

Nach einem Wellental zu Beginn der neunziger Jahre geht es seit 1994/95 mit der Anzahl an Podesträngen ständig bergauf, im Vorjahr sprengten Hermann Maier, Renate Götschl und Co mit 107 Plätzen am Podium sogar die vor nicht langer Zeit für unerreichbar gehaltene Hunderter-Marke. Und wie üblich wurde diesmal vor Saison-Start ein Da Capo oder gar eine Verbesserung dieser Leistung für kaum machbar gehalten.

In Gedanken bei den Opfern

"Das folgenschwere Unglück von Kaprun hat sich in beklemmender Weise über unseren Alltag gelegt. Und dieses Mal hat eine Katastrophe unmittelbar uns getroffen. Sportbegeisterte Menschen, die wie immer zu Saisonbeginn ihrem Hobby, ihrem Sport oder ihrem Training nachgehen wollten. Darunter auch Menschen, die wir gekannt haben, die uns nahe gestanden sind. Menschen, die sich für den heimischen Sport eingesetzt, die sportliche Erfolge gefeiert und junge Sportler an den Spitzensport herangeführt haben." So reagierte der Salzburger Sportreferent Landesrat Othmar Raus (S). Unter den Opfern befinden sich zahlreiche Sportler aus Salzburg. "Ihnen allen - den Gehörlosen-Spitzenfahrern Josef Schaupper aus Goldegg, Karl Huttegger aus Hüttschlag, die Mitglieder des Kapruner Schiklubs Ernst Jenewein, Kevin Challis, Gerhard Lausch, Christian Hulka, Walter Jäger und der achtjährige Nachwuchsfahrer Rudi Neumair und Schilehrer Jakob Decker aus Piesendorf sowie das Talent des Salzburger Schulsportmodells Patrick Klapper aus Maria Alm und den Sportlerinnen und Sportlern aus anderen Ländern sei an dieser Stelle gedacht und noch einmal für ihren Einsatz um den Salzburger Skisport gedankt. Und mögen wir sie in Zukunft so in Erinnerung behalten, wie sie ihr Leben gestaltet haben: Vereint im Sport", sagte Raus in seinem Nachruf. Der Gehörlosen-Sportler Karl Huttegger (33), dessen Kollegen Stefan Mohr (Thalgau) und Sandra Mayr (Linz) ebenfalls ums Leben gekommen sind, war verheiratet und hinterlässt zwei Kleinkinder. Der Österreichische Gehörlosen-Sportverband ersucht daher unter dem Kennwort "Spenden für die Hinterbliebenen der Sportler" um Spenden auf das PSK-Konto Nummer 774.6271.



Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2000-11-14 00:00:00
Letzte Änderung am 2005-04-07 13:04:00

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