Darf Vizeweltmeister Brasilien an dem WM-Turnier 2002 in Japan und Südkorea teilnehmen? Oder schließt der welthöchste Verband ums runde Leder, die FIFA, die Künstler vom Zuckerhut aus? Grund für diese Befürchtungen sind Junioren-Nationalspieler Brasiliens, die mit gefälschten Geburtsurkunden dem Ball hinterherjagten.

Die Tageszeitung "Folha de Sao Paulo" spricht bereits von einem "handfesten Skandal: Brasiliens Nationalmannschaften müssen mit dem Schlimmsten rechnen". Was war geschehen? Der heute knapp 20jährige Sandro Hiroshi vom Spitzenklub FC Sao Paulo hatte 1997 mit einem gefälschten Geburtsschein für die brasilianische U-17-Mannschaft gespielt.

Beim WM-Titel, den die Brasilianer in Ägypten gewannen, war er verletzungshalber zwar nicht dabei, doch bereits bei der U-17-WM zwei Jahre zuvor, soll der spätere Vizeweltmeister Brasilien geschummelt haben: Weiters wurde bekannt, dass auch Leonardo Rosa Ribeiro (Botafogo) mit einer gefälschten Geburtsurkunde zum Turnier in Ecuador gereist war, und statt der angegebenen 16 schon fast 19 Jahre alt war, wie die Tageszeitung herausfand.

Beim brasilianischen Fußballverband (CBF) herrscht nach Bekanntwerden des zweiten Falls Alarmstimmung: Mexico, das 1988 vier Junioren-Nationalspieler mit gefälschten Papieren ausgetattet hatte, wurde von der FIFA vom Olympischen Turnier in Seoul und von der WM-Qualifikation 1990 ausgeschlossen. Im März beginnen in Südamerika die Ausscheidungsspiele für die WM 2002, im Januar findet in Brasilien das Qualifikationsturnier für die Olympischen Spiele statt. Der brasilianische Fussballerverband wusste offenbar schon seit mindestens drei Monaten Bescheid über Hiroshis gefälschte Geburtsurkunde: Hiroshis erster Klub, Tocoantinápolis, wurde im Juli beim Verband vorstellig.

Eine gewisse Nervosität macht sich allmählich an der Rua Alfandega in Rio, Sitz des CBF, breit. Verbandspräsident Ricardo Texeira erklärte, dass den Verband "keinerlei Schuld trifft. Wir wurden von den Spielern hintergangenen, das kann jedem Verband der Welt passieren. Unsere Teilnahme an der WM und am olympischen Turnier ist nicht gefährdet."