• vom 08.09.2011, 17:16 Uhr

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Update: 08.09.2011, 17:19 Uhr

Pavol Demitra

Slowakei in Schockzustand




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Von WZ-Korrespondentin Karin Rogalska

  • Der Tod von Pavol Demitra wird im Nachbarland mit Fassungslosigkeit aufgenommen
  • Volksheld starb bei Flugzeugabsturz.
  • Stadion in Trencin wird umbenannt.

Das Stadion in Trencin wurde zur Pilgerstätte. Bald wird es nach Pavol Demitra benannt.

Das Stadion in Trencin wurde zur Pilgerstätte. Bald wird es nach Pavol Demitra benannt.© REUTERS Das Stadion in Trencin wurde zur Pilgerstätte. Bald wird es nach Pavol Demitra benannt.© REUTERS

Bratislava. Das Bild sagte mehr als tausend Worte. Die slowakische Tageszeitung "Pravda" widmete die Zeichnung des Tages in ihrer Donnerstagsausgabe dem Eishockeyspieler Pavol Demitra. Der 36-Jährige, bis nach der diesjährigen WM Teamkapitän der Slowaken, war tags zuvor beim Absturz einer Jak-42 über dem russischen Jaroslawl ums Leben gekommen. Mit ihm starben bis auf einen Spieler auch alle anderen Mitglieder des Eishockeyteams Lokomotive Jaroslawl. Demitra tritt auf dem Bild ab, wie ihn die Slowaken noch von der Eishockeyweltmeisterschaft in Erinnerung haben, die heuer in ihrem Land stattfand: in Würde. Aufrecht und mit gewohnt festem Blick, ganz der durch nichts zu erschütternde Fels in der Brandung, der er immer war, grüßt er seine Fans ein letztes Mal aus dem Himmel.

Kaum eine Nachricht hat die Slowaken in den vergangenen Jahren so tief bewegt wie die vom Tod des zweifachen Vaters. Auf den Straßen Bratislavas und anderswo machen Männer wie Frauen auch am Tag nach der Tragödie keinen Hehl aus ihren Gefühlen und weinen ungehemmt drauflos. Wie geschockt die Slowaken sind, lässt sich auch aus der Reaktion des Fernsehmoderators Michal Bujna schließen, der vor laufenden Kameras in Tränen ausbrach, als er seinen Zuschauern die Nachricht von Demitras Tod verlesen sollte.


Denn Demitra, der seit 1996 für das Nationalteam gespielt hat und seit den Olympischen Winterspielen 2006 als Kapitän aufgetreten ist, war nicht nur irgendein Sportstar in der Slowakei.

Er vertrat sie lange in der NHL, zuletzt vor seinem Engagement in Russland von 2008 bis 2010 bei den Vancouver Canucks, und galt den eishockeyverrückten Slowaken als Volksheld. Daran änderte weder das WM-Aus nach einer ganzen Serie an Matches, bei denen die Slowaken einfach nicht zu einem kontinuierlichen Zusammenspiel fanden, noch sein anschließender Rücktritt etwas. Bei dieser Verkündung verstrickte er sich keineswegs in Schuldzuweisungen, sondern erklärte so ruhig wie bestimmt, dass vor allem die jungen Spieler von den Erfahrungen "dieses unbestritten sehr durchwachsenen Turniers" nur profitieren könnten.

Allürenfreier Star
Es war auch diese unprätenziöse Art, die Demitras in Österreich kaum für einen Eishockeyspieler vorstellbare Popularität im Nachbarland begründete. "Es ist ein Mensch von uns gegangen, der das Herz auf dem rechten Fleck hatte und Profisport und Privatleben ohne Allüren zu vereinbaren wusste", ist der einhellige Tenor der inzwischen unzähligen Nachrufe auf "Nummer 38", als die Demitra für die Slowakei spielte. Die Zahl der Klicks allein auf slowakischsprachige Internetportale, wo sich das Neueste über das Unglück von Jaroslawl erfahren lässt, belief sich schon wenige Stunden nach der ersten Meldung auf deutlich mehr als eine Million, wobei die Slowakei knapp 5,5 Millionen Einwohner hat.

Demitras Geburtsort Dubnica nad Vahom unweit von Trencin im Nordwesten der Slowakei ist inzwischen voll von Trauerfahnen. Zu einer wichtigen Anlaufstelle für alle, die dem Verstorbenen etwa noch mit Blumen einen letzten Gruß schicken wollen, ist die dortige Grundschule geworden. Demitra war einer ihrer ersten ABC-Schützen. Das Eisstadion von Trencin wird am 1. Oktober in Pavol-Demitra-Stadion umbenannt. Schon am Mittwochabend waren unzählige Anhänger des Eishockeyspielers mit Trikots mit der Nummer 38 durch die Straßen der Stadt gezogen.

Am morgigen Samstag findet die offizielle Trauerfeier für ihn und alle anderen Opfer des Flugzeugabsturzes in der Vereinshalle von Lokomotive Jaroslawl statt.




Schlagwörter

Pavol Demitra, Jaroslawl

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Dokument erstellt am 2011-09-08 16:35:05
Letzte Änderung am 2011-09-08 17:19:19


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