Melbourne. Lange Zeit war es das logische Finale: Zwischen Wimbledon 2005 und den US Open 2007 hätte man, wie manche schon meinten, die ersten beiden Wochen eines Grand-Slam-Turniers gar nicht zu spielen brauchen, das Endspiel lautete doch immer Roger Federer gegen Rafael Nadal, meist mit positivem Ausgang für den Spanier. Diesmal war es das Halbfinale in Melbourne, doch Reiz und Ausgang der Partie waren dieselben. Das Endspiel kann sich Roger Federer nun ganz entspannt ansehen, er unterlag Nadal mit 76, 2:6, 6:7, 4:6. Der Spanier trifft am Sonntag auf den Sieger der Partie zwischen dem Serben Novak Djokovic und dem Schotten Andy Murray (Freitag, 9.30 Uhr MEZ).

Doch obwohl mittlerweile Djokovic nicht nur die Nummer eins und Titelverteidiger bei den Australian Open ist, war es wieder einmal das Spiel der beiden Langzeitrivalen, das die Massen elektrisierte. Die Feierlichkeiten zum australischen Nationalfeiertag wurden unterbrochen, tausende Menschen trafen sich vor den in der Stadt aufgestellten Videoleinwänden, die Pubs platzten aus allen Nähten. Denn allzu viele Duelle, die das Tennis jahrelang so geprägt haben wie jenes zwischen diesen beiden, gab es nicht in der Geschichte. "Spiele zwischen uns werden immer etwas Besonderes sein, selbst wenn wir nur mehr die Nummern 20 und 25 der Welt sein sollten", hatte Nadal daher schon vor der Partie gemeint.

Damen um Nummer eins

In dieser war die Intensität dann auch bis in die obersten Ränge der Rod-Laver-Arena spürbar, und am Ende hatte es Nadal auch ein bisschen dem Glück zu verdanken, dass er nun die Chance auf seinen elften Major-Titel bekommt. Im Tiebreak des dritten Satzes lag er schon mit 5:1 voran, ehe sich sein Gegner auf 5:6 herankämpfte. "Ich habe nur gedacht, bitte, bitte, diesen einen Punkt", erzählte er danach. "Wenn ich den verloren hätte, hätte es auch ganz anders ausgehen können." Ist es nicht - auch weil Federer sich immer wieder, nachdem er sich gerade erst herangekämpft hatte, mitunter mit vermeidbaren Fehlern selbst um den Lohn gebracht hat. Nach 3:42 Stunden schlug er eine Vorhand ins Aus - und damit war dieses für ihn selbst besiegelt.

Der Schweizer wartet somit seit 2007 auf seinen ersten Sieg bei einem Major über Nadal und seit den Australian Open 2010 auf einen Grand-Slam-Titel. Nadal dagegen greift nach seinem zweiten Australian-Open-Titel nach 2009, als er - natürlich - Federer im Finale in fünf hochdramatischen Sätzen besiegt hat. Ungeachtet des Ausgangs der Partie am Sonntag wird aber Novak Djokovic die Nummer eins der Welt bleiben.

Bei den Damen muss die Dänin Caroline Wozniacki ihren Thron indessen räumen, ihre Nachfolgerin wird im Finale am Samstag zwischen Maria Scharapowa und Viktoria Asarenka ermittelt. Während es für die Weißrussin Asarenka, die Titelverteidigerin Kim Clijsters im Halbfinale in drei Sätzen ausschaltete, ihr erstes Major-Endspiel ist, stand Scharapowa, Gewinnerin gegen Petra Kvitova, bisher schon fünfmal in einem Grand-Slam-Finale, dreimal hat sie gewonnen. Die Erfahrung dürfte sicher ein Vorteil sein, andererseits glaubt Asarenka, ihre mentale Blockade abgelegt zu haben. "Ihr habt immer geglaubt, dass ich ein mentaler Fall bin", meinte sie nach ihrem Halbfinalerfolg zum Publikum. Am Samstag will sie das Gegenteil beweisen.