Kaum eine gleitet so elegant übers Eis wie Carolina Kostner. - © APAweb/Jon Super/AP
Kaum eine gleitet so elegant übers Eis wie Carolina Kostner. - © APAweb/Jon Super/AP

Immer noch ist sie erst 24 Jahre alt. Aber längst ist sie ein echter Dauerbrenner. Mit 24 ist man im Eiskunstlauf eben nicht mehr die Jüngste. Carolina Kostner, schon in jungen Jahren als Riesentalent gefeiert, konnte dem großen Erwartungsdruck, der auf ihr stets lastete, nicht immer standhalten. Doch jetzt, so scheint es, ist sie angekommen. Befreit von aller Last und durch nichts mehr aus der Ruhe zu bringen, hält sie die jugendliche Konkurrenz weiter auf Distanz denn je zuvor.

In Sheffield, bei ihrer zehnten Teilnahme an Europameisterschaften, war sie wieder einmal die klare Favoritin. Wer sonst außer Carolina Kostner sollte den Titel holen? Schließlich präsentierte sich die Italienerin schon die gesamte Saison über - auch im Vergleich mit den starken Konkurrentinnen aus Asien und Amerika - extrem stark. Also tat sie, was sie tun musste. Schwebte zu den Klängen von Mozarts Concerto Nr. 23 übers Eis, kein Dreifachsprung konnte ihr ein Bein stellen - und die Konkurrenz sowieso nicht. Mit knapp 17 Punkten hielt sie die zweitplatzierte Finnin Kiira Korpi auf Distanz und gewann ihren vierten EM-Titel, ihre siebte Medaille bei Europameisterschaften. "Ich bin als Favoritin angetreten, eine Rolle, die mir nicht gefällt. Aber ich habe mich gut damit arrangiert und dass ich den Titel, den ich im vergangenen Jahr in Bern verloren hatte, jetzt zurückgeholt habe, macht mich doppelt glücklich", freute sich Kostner.

An Strahlkraft konnte Kostner Jewgeni Pluschenko, in Sheffield ob seines mit dem EM-Titel gekrönten Comebacks nach fast zweijähriger Pause und deshalb in aller Munde, sowieso in den Schatten stellen. Der Russe blieb in Sheffield freilich die große Story. Das konnte Kostner auch egal sein. An Aufmerksamkeit hat sie in ihrer Karriere eh nicht zu wenig erhalten. Bei den Olympischen Spielen 2006 in Turin war sie das Aushängeschild. Ihr Gesicht prangte praktisch von jeder Plakatwand. Eine Medaille - fast schon Pflicht. Doch die damals 19-Jährige zerbrach an den großen Erwartungen. Kostner wurde nur Neunte.

Vier Jahre später wollte sie es besser machen. Vor der Olympia-Saison wechselte sie zum US-Startrainer Frank Carroll. Bloß auch das half nicht. In Vancouver stürzte Kostner als amtierende Europameisterin gar auf Rang 16 ab. Bei der Heim-WM in Turin, einen Monat später, lief's zwar besser, mit Platz sechs schrammte sie aber abermals an Edelmetall vorbei.

Seit zwei Jahren trainiert Kostner wieder in Oberstdorf bei ihrem Langzeit-Trainer Michael Huth und scheint endgültig zurück auf der Erfolgsspur. Auch weil die Südtirolerin in jüngster Vergangenheit von Verletzungsproblemen verschont blieb und sich von äußeren Einflüssen nicht mehr aus der Bahn zu werfen lassen scheint. Den endgültigen Beweis dafür muss sie zwar erst bei der Weltmeisterschaft im März in Nizza erbringen. Eine Medaille - es wäre ihrer vierte bei einer WM - zu holen scheint für die dann 25-Jährige angesichts der fast übermächtigen Konkurrenz aus Asien abermals ein schwieriges Unterfangen zu werden. Vielleicht also stellt ihr die Konkurrenz ein Bein, aber die Nerven, die Nerven sollten es nicht mehr sein.