• vom 08.05.2012, 10:35 Uhr

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Update: 09.05.2012, 08:07 Uhr

Ronnie OSullivan

Genie schlägt Wahnsinn




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Von Birgit Riezinger

  • Ronnie O'Sullivan ist zum vierten Mal Snooker-Weltmeister
  • Exzentrischer Star der Snooker-Szene zeigte sich in Sheffield von seiner genialen Seite.

Zum vierten Mal durfte Ronnie O'Sullivan die WM-Trophäe küssen. - © APAweb/PA, Anna Gowthorpe/AP

Zum vierten Mal durfte Ronnie O'Sullivan die WM-Trophäe küssen. © APAweb/PA, Anna Gowthorpe/AP

Er ist ein Ausnahmekönner, ein Perfektionist, ein Genie. Ronnie O'Sullivan hätte seine Sportart über Jahre hinweg dominieren können, etwa so, wie Roger Federer im Tennis oder Tiger Woods im Golf es getan haben. In seiner mittlerweile 20 Jahre andauernden Karriere als Snooker-Profi hat O'Sullivan zweifelsohne viel gewonnen - eigentlich alles. Doch das Genie hat seine Macken. Und die hinderten ihn, den Rüpel in der Gentlemen-Sportart, allzu häufig an der optimalen Umsetzung seines Talents. Jede Menge Wahnsinn eben. Bei der Snooker-Weltmeisterschaft gewann das Genie wieder einmal die Oberhand über Wahnsinn und Gegner. In beeindruckender Manier holte O'Sullivan im Crucible Theatre zu Sheffield seinen vierten WM-Titel. Im Finale setzte sich der Engländer klar mit 18:11 gegen seinen Landsmann Allister Carter durch.

"Ich wollte allen zeigen, was ich kann", sagte ein äußerst emotionaler O'Sullivan beim Sieger-Interview, seinen knapp fünfjährigen Sohn Ronnie jr. auf dem Arm haltend. Die Saison des 36-Jährigen lief nicht überragend. Auch weil er einige Turniere ausließ, fiel er in der Weltrangliste zwischenzeitlich bis auf Rang 13 zurück. Der Comeback-Sieg nach eineinhalb Jahren gelang ihm im Februar bei den German Open. "Ohne meinen Psychologen würde ich nicht mehr spielen", konstatierte der 24-fache Sieger von Ranglistenturnieren. Depressionen hatten den Engländer immer wieder eingebremst. Während den 17 WM-Tage in Sheffield war O'Sullivan nicht einzubremsen. Nicht durch Neil Robertson, Titelträger im Jahr 2010, im Viertelfinale, nicht durch Finalgegner Ali Carter und nicht einmal durch sich selbst.

Genial und geduldig
O'Sullivans Offensivspiel ist ohnehin eines der besten auf der Tour - wenn nicht das beste. Aber wenn es um taktische Geplänkel ging, riss "The Rocket" des öfteren allzu schnell der Geduldsfaden. Ganz anders bei der diesjährigen Weltmeisterschaft. Genial und geduldig. In solch einer Kombination hatte sich O'Sullivan in letzter Zeit eher selten präsentiert. In den Wahnsinn wurde im Endspiel zwischenzeitlich vielmehr der bedächtig agierende Carter, ein an sich sehr ruhiger Zeitgenosse, getrieben.

Ronnie O'Sullivan an seinem Arbeitstisch.

Ronnie O'Sullivan an seinem Arbeitstisch.© APAweb/PA, Anna Gowthorpe/AP Ronnie O'Sullivan an seinem Arbeitstisch.© APAweb/PA, Anna Gowthorpe/AP

Ein bisschen Wahnsinn gab's in Sheffield aber doch. Mit kryptischen Aussagen über ein mögliches Karriereende nach den Titelkämpfen irritierte er vor dem Finale die Öffentlichkeit: "Ich habe eine Entscheidung getroffen. Ich habe die Vor- und Nachteile abgewägt und bin mit meinem Entschluss zufrieden. Es gibt keinen besseren Zeitpunkt, als nach einem Finale abzutreten." Sollte die Snooker-Welt wenige Tage nach dem Rücktritt des siebenfachen Weltmeisters Stephen Hendry einen weiteren ganz großen der Szene gehen lassen müssen? Während die zahlreichen O'Sullivan-Fans zitterten, spielten die Medien herunter. Nicht zum ersten Mal hatte der Engländer öffentlich über seinen Rücktritt spekuliert. Und er liebt dieses Spiel mit der Öffentlichkeit.

"Ich bin noch nicht fertig", ließ O'Sullivan seine Fans schließlich nach dem Titelgewinn aufatmen. Eine sechsmonatige Pause wolle er nun aber einlegen. Die Saison ist ohnehin zu Ende. Die neue startet schon am 25. Juni. Viel früher als in der Vergangenheit. Und sie ist dichter gedrängt. Barry Hearn, Boss des Weltverbands World Snooker, hat einigen Turnieren Ranglisten-Status verliehen, "um die Spieler zum Spielen zu zwingen". Das stößt O'Sullivan sauer auf. "World Snooker treibt es ein bisschen zu weit und behandelt die Spieler ein wenig respektlos", klagte er. "Den Terminplan schaffe ich nicht - und ich bin ein harter Arbeiter." Auch Genies müssen arbeiten - und brauchen Pausen. Die Snooker-Welt kann froh sei, ihren charismatischsten Akteur nicht verloren zu haben. Ein bisschen Wahnsinn muss sie dafür in Kauf nehmen.

Website Ronnie O'Sullivan




Schlagwörter

Ronnie OSullivan, Snooker

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Dokument erstellt am 2012-05-08 10:35:47
Letzte Änderung am 2012-05-09 08:07:00


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