New York.

Ein lauer Sommerabend in New York mit Baseball, Bier und manchmal auch mit David Hasselhoff. - © Stimeder
Ein lauer Sommerabend in New York mit Baseball, Bier und manchmal auch mit David Hasselhoff. - © Stimeder
David Hasselhoff, wirklich und im Ernst. "A-Hooga Hooga Hooga Chakka", dröhnt es aus den Boxen, und von der Stadionleinwand strahlt "The Hoff", wie er heute zwischen Malibu und Montauk mehr ironisch als liebevoll geheißen wird, in seiner ganzen Proll-Pracht. "Hooked on a feeling", Musik und Video in voller Länge, soll die Heimmannschaft aufs letzte Inning einstimmen, viel sollte nicht mehr passieren. Nach den ersten acht Durchgängen lautet der Spielstand 5:1.

Die rund 3000 Menschen, die ihr Weg an diesem angenehm kühlen New Yorker Sommerabend nach Staten Island geführt hat, nehmen’s mit Humor, schließlich lässt sich auch über Metallica und Shania Twain als Hintergrundgedudel in den Spielpausen streiten. Die Männer unten am Feld, die den Spitznamen "Baby Bombers" tragen, sind in der Defensive, was im Baseball nicht unbedingt ein Nachteil ist, weil es Ballbesitz bedeutet. Es dauert keine fünf Minuten, bis ihr Pitcher die letzten drei Gegner aus Brooklyn erledigt hat, Schluss, aus, Beifall, Jubel.

Profis in der Minor League


Ein Feuerwerk erleuchtet den Himmel über der Bucht von New York City. Die Spieler von der Insel haben den ersten Teil der "Battle of the Boroughs" für sich entschieden. Staten Island Yankees gegen Brooklyn Cyclones, das ist nicht Brutalität, aber doch Ernst: Atmosphärisch lässt sich das kleine New Yorker Stadtderby vielleicht am ehesten mit Vienna gegen Sportklub vergleichen, wenn auch unter ganz anderen Vorzeichen und Umständen.

Obwohl noch jung - die Yankees existieren in ihrer heutigen Form seit 1999, die Cyclones seit 2001 - bilden die zwei Klubs heute integrale Bestandteile der traditionsreichen NY Penn League, einer professionellen Baseballliga, deren Gründung ins Jahr 1939 zurückreicht. Die 14 Teams umfassende Liga bildet wiederum einen Teil der landesweit bestehenden sogenannten Minor League im Baseball. Die Tatsache, dass es in keiner dieser Ligen Auf- und Absteiger gibt, bildet nur eine der für europäische Verhältnisse seltsam anmutenden Besonderheiten des nordamerikanischen Systems.

Filiale der großen Yankees


Am nächsten Tag haben die Cyclones Heimvorteil, und das tut auch den Ohren des Besuchers gut: Schweinerock-Ausreißern à la Rainbow und Bon Jovi folgen verlässlich die Beastie Boys, Prince oder der frühe Michael Jackson. Ihr Stadion fasst 7500 Plätze und ist gegen Staten Island nahezu ausverkauft. Der Ballpark der Cyclones befindet sich auf der Halbinsel Coney Island, von Manhattan aus dauert die Anreise mit den öffentlichen Verkehrsmitteln schon mal gut eineinhalb Stunden.