Während auf Staten Island die Bucht und die Skyline von Downtown New York City die Hintergrundkulisse bildet (vom Ausgang des Fährenterminals bis zum Stadion der Yankees dauert es zu Fuß keine fünf Minuten), sind es hier die Attraktionen des berühmten Vergnügungsparks, die den Besuch zum Erlebnis machen. Die Cyclones tragen ihren Namen nicht umsonst; dass ihr die 1927 eröffnete hölzerne "Cyclone"-Achterbahn als identitätsstiftendes Logo dient, haben sie ihren Fans zu verdanken, die sich im Rahmen ihrer Gründung vor elf Jahren in einer Abstimmung dafür aussprachen.

Ihre Gegner haben es imagemäßig schon schwerer, was sich am sichtbarsten in den Fanshops niederschlägt. Während sich in den Katakomben des Ballparks zu Brooklyn gleich auf zwei Stockwerken ausschließlich Memorabilia, Jerseys im Retrolook und allerlei sonstiges überteuertes Klumpert mit aufgedrucktem Cyclones-Logo erstehen lassen, teilt sich der kleine Shop im Stadion der Staten Island Yankees in zwei Teile: jenen, der Textilien mit dem Logo des Inselteams verkauft - und jenen, der die Waren seines großen Bruders feil bietet.

Die Staten Island Yankees sind eine Filiale der erfolgreichsten Baseballdynastie der Stadt: der New York Yankees aus der Bronx, die sich den Besitz der "Baby Bombers" seit kurzem mit den in Connecticut ansässigen Hedgefund-Managern von Nostalgic Partners teilen. Die Cyclones sind ebenfalls an einen Partner aus den Major Leagues gekettet. Sie verstehen es aber besser, ihrem Farmteam eine eigene Identität zu lassen - nicht zuletzt aus Marketinggründen, denn die Cyclones sind das erste professionelle Baseballteam im Bezirk, seit die legendären Brooklyn Dodgers die Stadt 1957 gen Los Angeles verließen. Eigentümer der Cyclones ist die New Yorker Finanz- und Immobilienmagnatenfamilie Wilpon. Ihr gehört das andere Major-Leagues-Team der Stadt, die New York Mets, die ihre Spiele am Citifield in Queens austragen.

Auf dem Weg zum Titel


Während die Verhältnisse in den Major Leagues klar sind - die Mets sind die klare Nummer zwei - stellen sie sich in der Minor League umgekehrt dar. Zumindest, was den Zuschauerzuspruch angeht. Fanden in der aktuellen Saison bisher im Schnitt rund 6700 Menschen den Weg nach Coney Island, füllte sich das Stadion der Staten Island Yankees nur mit knapp unter 4000 (bei einem Fassungsvermögen von 7200).

Für Brooklyn stehen die Aussichten in dieser Saison gut, das Endspiel um den Titel der NY Penn League zu erreichen. Nach dem Geschmack ihrer Fans wäre es dafür hoch an der Zeit. Während die Gegner aus Staten Island die Liga bisher sechsmal gewannen - seit ihrer Teilnahme jedes zweite Mal -, waren die Männer aus Brooklyn erst einmal der Champion, und das auch nur zur Hälfte. Im Endspiel 2001 stand es im Best-of-Three-Endspiel gegen die Williamsport Crosscutters aus Pennsylvania 1:0, als die Terroristen von Al-Kaida die Türme des World Trade Center zu Fall brachten. Die Serie wurde unterbrochen, die Liga erklärte beide Teams zu Siegern.

Am zweiten Tag des New Yorker Stadtderbys scheinen die Brooklyn Cyclones im Vergleich zum Vortag wie ausgewechselt, lassen kaum Fehler zu, machen selber keine und panieren ihre Gegenüber regelrecht. Der Endstand lautet 11:0, und auch hier: Jubel, Trubel, Feuerwerk. Am nächsten Tag findet die Derbyserie ihr Ende, wieder auf Staten Island. Diesmal geht Brooklyn unter. 12:2 für die Yankees lautet der Endstand. Es ist und bleibt ein seltsames Spiel.