Novak Djokovic durfte den Pokal küssen, Roger Federer (im Hintergrund) blieb nur der Silberteller. - © APAweb/Reuters/Dylan Martinez
Novak Djokovic durfte den Pokal küssen, Roger Federer (im Hintergrund) blieb nur der Silberteller. - © APAweb/Reuters/Dylan Martinez

London. Nur zu zwei Sätzen kam es am Montagabend in der O2-Arena zu London. Zu zwei sehr langen Sätzen. Am Anfang war das Wort. In beiden Sätzen ergriff es zunächst Roger Federer. Novak Djokovic hatte zu Beginn nichts mitzureden. Federers Wort war eine Ansage: "Ich bin voll da." Auch eine Antwort auf das Halbfinal-Match am Vortag gegen Andy Murray, als Federer zu Beginn ungewohnt fehlerhaft agierte. Ein Rechtschreibfehler in jedem Wort - sozusagen. Keine Rede davon am Montag, dem Finaltag beim ATP World Tour Finale der besten acht Tennisspieler der Saison.

Nur zu zwei Sätzen kam es an diesem Abend in London. So manchen hinterließen diese beiden Sätze sprachlos. Am Ende ein bisschen auch Federer. Spielte sich Vorteile heraus, wusste diese nicht immer zu nutzen, bewies aber stets Moral, blieb immer dran. Aber Djokovic hatte eben auch was zu sagen. Vor allem aber hatte er das letzte Wort. Im ersten Satz, im zweiten Satz. Und setzte ein Rufzeichen dahinter. Ein perfekter Passierball war der Schlusspunkt - das i-Tüpfelchen des finalen Saison-Showdowns. Als Weltnummer eins hatte Djokovic das Jahr begonnen, als Nummer eins hat er es beendet. Am Anfang ein Triumph bei den Australian Open, am Ende ein Triumph beim World Tour Finale. Dazwischen war der nun schon seit geraumer Zeit außer Gefecht gesetzte Rafael Nadal, der die French Open in Paris für sich entschied. Und Federer. Der Sieg in Wimbledon - sein erster Major-Titel nach zweieinhalb Jahren Pause - und die zwischenzeitliche Rückeroberung der Nummer-eins-Position. Und Murray, vor allem. Endlich platzte der Knoten beim Briten. Er holte sich den Olympiasieg in der Heimat und schließlich seinen ersten Grand-Slam-Titel in New York.

Federer-Blitzstart blieb unbelohnt
Aber zurück in London: Federer erwischte einen Blitzstart in das Match, ging schnell mit 3:0 in Führung, holte sich die ersten neun Punkte. Gerade so brachte der Serbe sein Aufschlagspiel zum 1:3 durch, was sich noch als enorm wertvoll herausstellen sollte. Ein grandioser Vorhand-Winner und auch Djokovic war im Match angekommen. Prompt gelang das Re-Break, auch weil Federers erster Aufschlag zwischenzeitlich ausfiel und es zu mehr und mehr längeren Ballwechseln kam - ein Vorteil für Djokovic. Federers Rückhand war wie schon gegen Murray und Juan-Martin del Potro im letzten Vorrundenspiel, das der Schweizer verlor, die Achillesferse im Spiel des 17-fachen-Grand-Slam-Gewinners. Wenngleich der Belgrader Federers schwächere Seite nicht so massierte, wie die beiden Genannten. Djokovic gelang schließlich ein erneutes Break zum vermeintlich satz-entscheidenden 5:4. Doch Federer kämpfte sich nach 0:30 und einem Satzball gegen sich zurück, schaffte erneut den Aufschlag-Durchbruch. Schließlich musste der Tie-Break, der so umkämpft war, wie der gesamte Satz, entscheiden. Djokovic hatte nach einem Hin und Her mit 8:6 das bessere Ende für sich.

Durchgang zwei begann so spannend wie der erste. Ein elfminütiges Aufschlag-Game des Serben endete erneut mit einem Break gegen ihn. Federer hielt den Vorsprung - bis zum 5:4. Bei 40:15 schien der Satzausgleich eigentlich schon gebucht. Doch der Schweizer riskierte etwas zu viel und diesmal war es Djokovic, der im letzten Moment noch einmal zurückkam. Federer gewann dann kein Game mehr. Nach 2:14 Stunden Spielzeit war Djokovic' zweiter Triumph (7:6, 7:5) beim Saison-Finale perfekt, Federers Traum vom siebten geplatzt.

Am Ende wurden noch ein paar kurze Sätze gesprochen. Das Übliche: Gratulation an den Gegner. Dank an die Sponsoren, das Team und das Publikum. Die zwei langen Sätze davor waren eindrucksvoller. Ein würdiger Schlusspunkt am Ende einer ereignisreichen, wie aufregenden Saison-Geschichte.