Madrid. Es hätte eine große Freudenkundgebung werden sollen. Mit der offiziellen Abgabe der Bewerbungsunterlagen für die Olympischen Spiele 2020 beim Internationalen Olympischen Komitee (IOC) hat die spanische Delegation, angeführt von der Madrider Bürgermeisterin Ana Botella, den Countdown zur Vergabe eingeläutet, tags darauf wurde das Konzept in der Hauptstadt vorgestellt.

Die Befürworter der spanischen Olympia-Bewerbung wie Sportminister José Ignacio Wert, Bürgermeisterin Ana Botella und Ignacio González, Präsident der Region Madrid (von links), wollen die Bevölkerung auf die positiven Aspekte Olympias einschwören. Doch Applaus gibt es nicht von allen Seiten. - © Foto: reu
Die Befürworter der spanischen Olympia-Bewerbung wie Sportminister José Ignacio Wert, Bürgermeisterin Ana Botella und Ignacio González, Präsident der Region Madrid (von links), wollen die Bevölkerung auf die positiven Aspekte Olympias einschwören. Doch Applaus gibt es nicht von allen Seiten. - © Foto: reu

Bei der vierten Olympia-Bewerbung will sich Madrid gegen Istanbul und Tokio durchsetzen - die Vergabe erfolgt im September. Wie in der Türkei und in Japan bereitet man sich nach der offiziellen Vorstellung nun auch in Spanien auf den Besuch einer IOC-Delegation im März vor. Bis dahin soll die Bevölkerung auf die Pläne eingeschworen werden. Doch die will nicht so recht an die hoffnungsvollen Worte glauben, die Botella und Co. mit der möglichen Ausrichtung der ersten spanischen Sommerspiele seit Barcelona 1992 verbinden.

"Die Olympischen Spiele wären eine Möglichkeit, um unsere ökonomische Situation zu verbessern", sagte die Bürgermeisterin. Sie sieht darin die Chance, um die tiefe Wirtschaftskrise des Landes zu überwinden, und appellierte auch an das IOC, "einem Land im alten Europa" zu helfen. Ähnlich argumentierte der Präsident des nationalen Olympischen Komitees. "Es gibt keine rentablere und dankbarere Investition", sagte Alejandro Blanco.

Er hofft, dass die Spiele dem Land neuen "Optimismus" und "Schwung" geben könnten. Für die konservative Regierung sprach der Minister für Bildung, Kultur und Sport von einem "außergewöhnlichen Projekt". José Ignacio Wert bekräftigte, Ministerpräsident Mariano Rajoy habe dafür ausdrücklich seine Unterstützung zugesichert. Die Kosten sollen sich mit 1,6 Milliarden Euro in Grenzen halten, weil 80 Prozent der Sportstätten schon gebaut seien. Laut dem spanischen IOC-Mitglied Juan Antonio Samaranch - Sohn des 2010 verstorbenen gleichnamigen IOC-Präsidenten - hielten sich die finanziellen Anstrengungen mit 100 bis 150 Millionen Euro jährlich in den nächsten sieben Jahren in Grenzen. "Da stört auch keine Krise", meinte Samaranch. Doch damit kommt nicht einmal die niedrig angesetzte Summe zusammen.

Sport in der Skandalarena


Die steigende Zahl der Kritiker betont indessen, dass dies ohnehin nur die halbe Wahrheit sei. So wurde das Stadion "La Peineta" zwar schon 1994 gebaut, es muss aber vergrößert werden, um als Olympiastadion zu dienen. Veranschlagt werden dafür 160 Millionen Euro. Solchen Kalkulationen glauben nur wenige. Fertiggestellte Spielstätten wie Caja Mágica wurden real mit 290 Millionen Euro mehr als doppelt so teuer, als einst geplant war. In der Bewerbung wird zum Beispiel auch die Madrid-Arena als fertiggestellt angeführt. Diese Sportstätte machte aber im November traurige Schlagzeilen, als bei einer Massenpanik fünf junge Frauen ums Leben kamen. In diesem Rahmen wurde bekannt, dass die Arena wegen gravierender Sicherheitsmängel keine Betriebsgenehmigung hat.