Das "Wall Street Journal" hat schon zuvor vor dem "risikoreichen finanziellen Einsatz" gewarnt, während "radikale" Einschnitte im Haushalt vorgenommen würden. Die Wirtschaftszeitung erinnerte daran, dass die seit langem von den Konservativen regierte Hauptstadt längst "eine der höchstverschuldeten Städte Spaniens ist". Dass Olympia eine rentable Investition ist, wird ohnehin bezweifelt. Gemäß allen Studien entspreche keines der Argumente, die Befürworter zentral für die Spiele anführen, der Realität. Zu diesem Ergebnis kam Mark Perryman, Autor des Buchs "Warum die Olympischen Spiele uns nicht guttun". Tatsächlich bescherten die Spiele 2012 London statt eines Tourismusansturms einen Einbruch der Besucherzahlen.

Hoffen auf Bauboom


Olympia reiht sich in das Vorhaben der spanischen Konservativen ein, auf einen Immobilienboom zu setzen, um die Krise zu überwinden. In diesem Sinne wurden zum Jahreswechsel noch schnell Gesetze verabschiedet, um das umstrittene Eurovegas-Projekt des US-Milliardärs Sheldon Adelson auf den Weg zu bringen. Er will sechs Glücksspieltempel mit 18.000 Spielautomaten und zwölf Hotels mit 36.000 Betten errichten, wenn seine Forderungen erfüllt werden. Angeblich sollen 260.000 Jobs geschaffen und knapp 17 Milliarden Euro investiert werden.

Adelson fordert, dass das in Spanien geltende Rauchverbot in seinen Casinos ebenso aufgehoben werden müsse wie geltende Tarifverträge und Bebauungsvorschriften. Viele Steuern wurden im Rahmen der "Lex Eurovegas" für ihn schon um bis zu 95 Prozent gesenkt. Sogar Wirtschaftsnobelpreisträger Joseph Stiglitz hat sich in die Debatte eingemischt. Er kritisiert, dass erneut auf ein Modell gesetzt werde, das Spanien in die Krise stürze, nachdem 2007 die Immobilienblase geplatzt ist. Nun sind mit etwa sechs Millionen Menschen schon 26,6 Prozent der Bevölkerung arbeitslos, hat die europäische Statistikbehörde Eurostat vor wenigen Tagen veröffentlicht. "Es ist ein Fehler, wenn eine Gesellschaft mehr auf Spiel als auf produktiver Aktivität basiert", erklärte Stiglitz. Er wies auch auf "Tendenzen" zur Korruption hin, die sich im Umfeld des Glückspiels breitmachten. Gegen Adelson wird in Las Vegas längst wegen Geldwäsche und in Macau wegen Korruption ermittelt.