Ein Sportereignis unter Freunden: Wenn Österreich nicht spielt , ist der Andrang im Prater gering. - © Rella
Ein Sportereignis unter Freunden: Wenn Österreich nicht spielt , ist der Andrang im Prater gering. - © Rella

Wien. Auf den ersten Blick mag man die Spenadlwiese im Wiener Prater für einen gewöhnlichen Rasen halten. Wenn da nicht die irritierenden Bodenmarkierungen sowie die sternförmig auseinanderlaufenden Sandbahnen wären. Dass sich hier, unweit der Endstation der Straßenbahnlinie 1, Österreichs größter Baseballplatz befindet, wissen nur die wenigsten. Genauso, dass auf dem Grün noch bis Sonntag die B-EM im Baseball ausgetragen wird.

Es ist kurz vor 11 Uhr Vormittag, die Sonne brennt vom Himmel, allein die Straßenbahn lässt auf sich warten. Ein älterer Mann lugt interessiert über den grünen Maschendrahtzaun. Am anderen Ende wärmen sich gerade die Nationalteams aus Russland und Litauen für das große Spiel auf. Von der Ferne sind nur die dumpfen Ballschläge sowie die Zurufe der Sportler zu vernehmen. Fanjubel, Tröten oder Trommelschläge, wie man das bei einer Europameisterschaft sonst erwarten dürfte, hört man nicht, lediglich ein "Dawai! - Los, los!" zerreißt die Stille. Dass es sich bei dem Sport um Baseball handelt, ist dem Mann immerhin bekannt - mehr aber schon nicht. Eine Eintrittskarte kaufen will er sich nicht. "Ich verstehe das Spiel nicht." Minutenlang habe er zugesehen, sei aber auf keinen grünen Zweig gekommen, sagt er schließlich mit einem Kopfschütteln und verschwindet in der Straßenbahn.

Österreich war zuletzt 2007 bei einem A-EM dabei


Auf dem Gelände selbst sind die Tribünen menschenleer. Nur ein Dutzend Zuschauer haben es sich im Schatten der Bäume gemütlich gemacht und beobachtet gelassen den Einlauf des russischen und litauischen Teams. Da der CD-Player streikt, wird auf das Absingen der Nationalhymnen prompt verzichtet. Die Fans protestieren nicht. Auch das ist Baseball-EM.

Dabei geht es für die russische Mannschaft, die zuletzt in der Nationenwertung in den B-Pool abgestiegen war, um viel. Bleibt sie in Wien siegreich, folgt der Wiederaufstieg in die erste Liga und damit die Teilnahme bei der A-EM 2014 in Tschechien. Die Konkurrenz ist diesmal nicht allzu gefährlich, mit einer Ausnahme: Österreich. Die B-EM hat für das Nationalteam mit Siegen über die Slowakei, Irland und Weißrussland schon einmal gut begonnen. Im Spitzenspiel warten heute, Donnerstag, die Russen, die auch im Finale der besten zwei Mannschaften am Samstag (14 Uhr) auf der Spenadlwiese der Gegner sein könnten. So zumindest das Ziel.