Tatsächlich gilt Istanbul zur Zeit als eine der angesagtesten Städte der Welt. Die Besucherzahlen steigen ständig, das ökonomische und kulturelle Gewicht der Stadt in der gesamten Region ist so groß wie seit dem Zusammenbruch des Osmanischen Reiches vor 100 Jahren nicht mehr, und die Stadt zieht so viel Investitionskapital an, dass sie die ökonomische Seite des Sportspektakels mittlerweile wohl stemmen könnte. Auch wenn auf den Straßen Istanbuls davon bis jetzt wenig zu spüren ist, die Bewerbung wird nicht nur von der Regierung und der Wirtschaft, sondern auch von der großen Mehrheit der Bevölkerung unterstützt.

Doch ein paar Fragen wird es schon noch geben. Außer dem Stirnrunzeln über das brutale Vorgehen der Regierung gegen die Gezi-Demonstranten ist die Türkei derzeit auch als Nachbarland zu Syrien in den Schlagzeilen - wenn auch Istanbul von der Grenze weit entfernt liegt.

Und auch sportlich gibt es Diskussionsbedarf: Im Sommer wurde der türkische Sport von einem Dopingskandal überschattet, zig Sportler, vor allem aus der Leichtathletik, wurden überführt und gesperrt. Doch auch das schadet dem Selbstbewusstsein offenbar nicht: Die Fälle würden die Chancen sogar verbessern, denn die Behörden zeigten, dass Doping in der Türkei nicht mehr unter den Teppich gekehrt werde, sagt Sportminister Suat Kilic. "Stattdessen haben wir den Teppich weggezogen."

Madrid. (apa/art) Die schleppende Aufarbeitung von Dopingfällen war auch in Spanien lange Zeit ein Thema, doch mit einem neuen Anti-Dopinggesetz hat Madrid diesen Makel bei seiner dritten aufeinanderfolgenden Kandidatur ausgemerzt. Das Projekt 2020 beruht zu einem großen Teil auf diesen beiden Bewerbungen - allerdings mit einem großen Unterschied: Spanien steckt in der Wirtschaftskrise, der Staat muss sparen, das Geld ist knapp. Madrid musste daher kräftige Abstriche machen - und will daraus nun Kapital schlagen, in dem man sich als Gegenmodell zum Gigantismus verkauft: "Madrid 2020 weist eines der sparsamsten Budgets der Olympia-Geschichte auf", meint Bürgermeisterin Ana Botella.

Doch die Haltung der Bevölkerung ist ambivalent. In Umfragen unterstützen zwar 80 Prozent der Madrilenen die Kandidatur. Aber von einer Olympia-Begeisterung kann keine Rede sein. Bei einer Arbeitslosenquote von 26 Prozent haben die Spanier andere Sorgen.

125. IOC Vollversammlung

Sonja Blaschke

Jürgen Gottschlich

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Istanbul will

Geschichte schreiben

Die 104 stimmberechtigten IOC-Mitglieder - darunter Ex-ÖOC-Präsident Leo Wallner - treffen am Samstag die erste Entscheidung in Buenos Aires, indem sie den Olympia-Ausrichter 2020 küren. Zuvor haben die Kandidaten jeweils die Möglichkeit zu einer je 45-minütigen Präsentation, ehe am späten Nachmittag (zwischen 22 und 23.30 Uhr MESZ) die Entscheidung verlautet wird.

Die zweite Frage bei diesem Kongress klärt sich am Sonntag: Dann wird beschlossen, ob die Traditionssportart Ringen entgegen einer ursprünglichen Empfehlung des Exekutivkomitees nach Rio 2016 im Programm bleiben darf. Konkurrenten um einen freien Platz im Programm ab 2020 sind Squash sowie Baseball/Softball. Am Dienstag wird der Nachfolger von IOC-Chef Jacques Rogge gewählt.

Tokio: Kirschblüten und Strahlenangst

Madrid: Wider

den Gigantismus