Wien. (art) Im Jubeln macht Dominic Thiem jedem Routinier Konkurrenz. Nach seinem 6:4, 5:7, 6:4-Sieg über den Spanier Daniel Gimeno Traver in der ersten Runde der Erste Bank Open in der Wiener Stadthalle streckte er ein paar Mal die Faust zum Himmel, nahm die Gratulationen von Turnierdirektor Herwig Straka entgegen, der grinste wie ein Hutschpferd, weil nach den Niederlagen von Martin Fischer gegen Radek Stepanek und Andreas Haider-Maurer gegen Daniel Brands zumindest ein Österreicher das Achtelfinale erreichte, und schrieb sich die Finger mit Autogrammen wund. Wie 2011 und 2012 steht der 20-jährige Niederösterreicher damit in der zweiten Runde des größten Tennisturniers in heimatlichen Gefilden – und doch hat sich Grundsätzliches geändert.

"Ich gehe nicht mehr rein und sage: Ich hab’ eh nichts zu verlieren", meinte Thiem, "weil ich weiß, dass ich diese Leute schlagen kann". "Diese Leute", das betraf im aktuellen Fall immerhin den Weltranglisten-70., den der um knapp 80 Plätze schlechter platzierte Österreicher mit druckvollem Grundlinienspiel immer wieder in Bedrängnis brachte. Auch in der nächsten Runde am Donnerstag, wenn es gegen den Sieger der Partie Gaël Monfils gegen Marinko Matosevic geht, kennt Thiem keinen übergroßen Respekt: "Es wird sicher eine geile Partie".

Das mit dem Selbstbewusstsein war nicht immer so, mehrere Monate rätselte er über zunächst unerklärliche Erschöpfungszustände, die sich schließlich als hartnäckige Virusinfektion erwiesen. Seit der erfolgreichen Behandlung gehören auch Nachtschichten mit Konditionstrainer, Extremsportler Sepp Resnik, zum Alltag. "Seit er weiß, dass er fit ist, ist er ein selbstbewusster junger Mann geworden", sagte Vater Wolfgang Thiem über seinen Sohn, der nach einer Einigung mit dem Tennisverband künftig auch für den Daviscup zur Verfügung stehen wird. "Die Sache ist geklärt", meinte Thiem jr.