Vettel hat gut lachen. - © ap
Vettel hat gut lachen. - © ap

Greater Noida. Die Krönung steht unmittelbar bevor. Sebastian Vettel reicht am Sonntag im Formel-1-Grand-Prix von Indien bereits ein fünfter Platz, um zum vierten Mal in Serie als Weltmeister festzustehen. Auf Rechenspiele muss sich der 26-jährige Deutsche im Fernduell mit Fernando Alonso nicht mehr einlassen. Der Ferrari-Star hat seine Titelambitionen längst auf nächstes Jahr verschoben. Vettel hätte nach Indien noch drei weitere Matchbälle.

Die Titelparty dürfte aber bereits in Greater Noida steigen. Dort hat bisher kein anderer Pilot als Vettel gewonnen. "Bisher ist es für uns in Indien immer perfekt gelaufen", erinnerte der Red-Bull-Star an seine Siege 2011 und 2012 - jeweils aus der Pole Position. "Der Siegerpokal ist schön. Es wäre großartig, ihn dieses Jahr wieder in Händen zu halten." Es wäre, nachdem er bereits in Belgien, Italien, Singapur und Südkorea - allein in Japan musste er etwas mehr für den Erfolg kämpfen - dominiert hatte, sein sechster Grand-Prix-Triumph in Serie. Das haben vor ihm in mehr als 60 Jahren Formel-1-Geschichte erst drei Piloten geschafft.

Elf Siege in einer Saison, folgt nun Nummer zwölf?


Läuft auch in Indien alles rund, könnte der 26-jährige Deutsche in der laufenden Saison gleich mehrere Formel-1-Rekorde aufstellen und mit Michael Schumacher, der 2004 eine ähnliche Rekordsaison hingelegt hatte, gleichziehen. So hatte sein Landsmann bei seinem siebenten und letzten WM-Titel 13 Grand Prix für sich entschieden. Mehr sind in einem Jahr ist noch keinem Piloten gelungen. Vettels Bestmarke steht seit seiner bisher dominantesten Saison 2011 heuer bei immerhin insgesamt elf Grand-Prix-Siegen.

Mit vier Siegen in den vier ausständigen Rennen in Indien, Abu Dhabi, den USA und Brasilien würde Vettel außerdem einen neuen Punkterekord in der Königsklasse markieren. Die von ihm selbst stammende Bestmarke aus der Saison 2011 steht bei 392 Punkten, derzeit hält der Red-Bull-Pilot bei 297. Hundert Zähler sind noch zu vergeben.

Wie auch immer, für die Buchmacher ist die Sache klar, zumal Vettel gerade für Rennen in Asien als Top-Spezialist gilt. 21 Mal hat der WM-Führende dort bereits triumphiert, der Buddh International Circuit 50 Kilometer südöstlich von New Delhi liegt im besonders. "Ich mag die Strecke", sagte Vettel vor seiner Ankunft in Indien. "Und das Land ist jedes Mal sehr, sehr beeindruckend, wenn wir hierherkommen."

Für einige Zeit könnte es allerdings das letzte Gastspiel der Königsklasse auf dem Subkontinent sein. Indien scheint kommendes Jahr nicht im WM-Kalender auf. Hauptgrund dürfte neben fehlendem Zuspruch der Fans vor allem die Steuerproblematik sein. Das 1,2-Milliarden-Einwohner-Land sieht keinen Grund mehr, den PS-Zirkus bei Abgaben bevorzugt zu behandeln. Eine Rückkehr 2015 ist nicht ausgeschlossen, sie müsste laut Formel-1-Boss Bernie Ecclestone aber im Frühjahr stattfinden.

Bis dahin dürfte sich auch Vettels Konkurrenz, die bereits den Titel abgeschrieben hat, etwas Neues einfallen lassen. Dabei stehen dank eines völlig überarbeiteten Reglements die Chancen, Red Bulls Siegeszug zu beenden, nicht schlecht. Allein heuer wird sich der Rennstall noch einmal - immerhin zum vierten Mal hintereinander - zum Gewinn der Konstrukteurs-Weltmeisterschaft gratulieren lassen.