Kirsan Iljumschinow (l.) ließ sich auf eine Schachpartie mit Muammar al-Gaddafi ein. - © reuters
Kirsan Iljumschinow (l.) ließ sich auf eine Schachpartie mit Muammar al-Gaddafi ein. - © reuters

Wien/Chennai. Unberechenbarkeit kann auch eine Tugend sein. Vor allem im Schachsport. Und so wird es auch bei der kommenden Schach-Weltmeisterschaft, die ab Samstag über mehrere Wochen in der indischen Stadt Chennai ausgetragen wird, wieder genau darauf ankommen: Wer einen Schritt weiterdenkt, ist auch seinem Gegner immer einen Schritt - besser gesagt einen Zug - voraus.

Was den Weltmeistertitel 2013 betrifft, sind sich viele Schachexperten und Großmeister einig: Favorit in diesem Geisteskampf der Meister ist etwa nicht der aus Indien stammende, seit 2007 amtierende Schachweltmeister Viswanathan Anand, sondern die aktuelle Nummer eins der Weltrangliste, der Norweger Magnus Carlsen. "Seine Stärke ist sicher seine große Unberechenbarkeit", bestätigte zuletzt auch der österreichische Großmeister Markus Ragger in einem Interview mit der "Wiener Zeitung". Dadurch, dass zum Beispiel Carlsen "ganz anders als seine Gegner" an ein Spiel herangehe, sei es auch unmöglich, sich "etwas von ihm abzuschauen", erklärte der Kärntner, der selbst bereits gegen den Norweger gespielt (und verloren) hat und bei diesem Ereignis - sei es auch nur als Zuseher - nicht dabei sein wird.

Ein Großereignis verspricht die WM auf alle Fälle zu werden, versammelt sich doch in diesen Tagen in Chennai die Crème de la Crème des globalen Schachsports. Ex-Schachweltmeister Garri Kasparow, der Carlsen über Jahre begleitet und trainiert hat, hat sein Kommen ebenso angekündigt wie auch sein direkter Gegenspieler - der mächtige Präsident des Weltschachverbands Fide (Fédération Internationale des Échecs): Kirsan Iljumschinow.

Millionen für Schachstadt in der Kalmückensteppe


Nun dreht sich dieses Spiel, das die beiden Russen seit Jahren öffentlich austragen, nicht vorrangig um Schach, sondern vielmehr um Politik, Macht und Geld. Tatsächlich ist der aus der südrussischen Provinz Kalmückien stammende Millionär bei zahlreichen (westlichen) Verbänden, Funktionären und Spielern aufgrund seiner Biographie und Entscheidungen heftig umstritten. "Man könnte ihn auch den Sepp Blatter der Fide nennen", bemerkte der Wiener Schachexperte Stefan Löffler treffend. Weswegen ihn Kasparow nun bei der Generalversammlung der Fide im August 2014 im norwegischen Tromsö nach 20 Jahren an der Macht ablösen möchte.