Die Patrouille des Glaciers gilt als weitere moderne Variante des Militärpatrouillenlaufs. - © Wikipedia
Die Patrouille des Glaciers gilt als weitere moderne Variante des Militärpatrouillenlaufs. - © Wikipedia

Östersund. Rund 160 Kilometer trennen die schwedische Stadt Östersund, wo am Sonntag (15.30 Uhr/ORF Sport+) mit der Mixed-Staffel der Biathlon-Weltcup eröffnet wird, von der norwegischen Grenze. Das passt ganz gut. Denn wer weiß schon, dass hier, inmitten der skandinavischen Taiga, im Jahr 1767, also vor mehr als 250 Jahren, der erste Biathlon-Bewerb der Welt ausgerichtet wurde?

Genau genommen waren es ja nur Soldaten - Grenzwachen beider Länder, die sich, wohl um der Eintönigkeit des Dienstes zu entgehen, in einem neuartigen Wettkampf maßen: dem Schießen während des Skilaufs. Tatsächlich war das bewaffnete Gleiten auf langen Brettern damals im Norden Europas nichts Neues. Wurde die Fortbewegungsmethode - darauf weisen etwa Höhlenmalereien sowie Runeninschriften hin - zunächst nur bei der Jagd eingesetzt, kam es ab dem Mittelalter zu einer erhöhten Vereinnahmung durch das Militär. Von der Schnelligkeit und Flexibilität der Ski laufenden Soldaten überzeugt, führten die Armeeführungen Schwedens, Dänemark-Norwegens und Russlands umgehend eigene Ski-Regimenter ein, die sich in der Folge bei militärischen Auseinandersetzungen bewähren sollten. Aber nicht nur hier. Auf Skiern geschossen wurde auch in Friedenszeiten - und das nicht nur im Rahmen von Militärübungen. So wurde 1861 der erste Biathlonverein der Welt in Norwegen gegründet.

Bis 1945 waren nur Soldaten für den Biathlon zugelassen


In Europa als Sport- und Wettkampfart salonfähig wurde der Biathlon (Zweikampf) erst im ausgehenden 19. Jahrhundert. Im Deutschen Reich etwa wurden die ersten Skilaufmeisterschaften, an denen nach wie vor nur Militärangehörige teilnehmen durften - diese Regelung wurde erst 1945 aufgehoben -, 1895 ausgetragen.

Aus der (norwegischen) Erfindung der Staffel- und Einzelläufe, bei denen zweimal zehn Schüsse abgegeben werden mussten, entwickelte sich 1915, mitten im Ersten Weltkrieg, der sogenannte Militärpatrouillenlauf, der als eigentlicher Vorgänger des modernen Biathlon gilt. Es handelte sich um einen reinen Teambewerb, wobei die Patrouille aus einem Offizier, einem Unteroffizier und zwei Soldaten zu bestehen hatte. Die Streckenlänge betrug rund 30 Kilometer, und bei der Hälfte der Distanz war eine Schussprüfung im Liegendschießen zu absolvieren. Das erste Mal bei Olympischen Spielen als Demonstrationsbewerb zugelassen war der Militärpatrouillenlauf in Chamonix (1924), die Anerkennung als Sportart durch das IOC erfolgte 30 Jahre später.

Die erste Biathlon-Weltmeisterschaft fand, alternierend zu Olympia, 1958 in Saalfelden statt. Den vom Weltverband IBU ausgerichteten Biathlon-Weltcup hingegen gibt es seit 1978. Gleichzeitig mit dem Weltcup-Auftakt erfolgte damals die Umstellung auf Kleinkalibergewehre, zudem wurde die Entfernung für das Stehend- und Liegendschießen von 100 Metern auf 50 Metern reduziert.

Allein, ganz Geschichte ist der Militärpatrouillenlauf heute noch nicht. So finden bis dato unter anderem in der Schweiz regelmäßig sogenannte Skitourenrennen, eine Weiterentwicklung des militärischen Biathlons, allerdings ohne Bewaffnung, statt.

Mit dem Gewehr bei Fuß in Östersund antreten wird am Sonntag hingegen der ÖSV. Beim gemischten Staffelbewerb gehen neben Fritz Pinter und Tobias Eberhard die Athletinnen Iris Schwabl und Katharina Innerhofer an den Start.