Die Los Angeles Dodgers (hier Clayton Kershaw) dürften wohl nur schwer zu schlagen sein. - © Gary A. Vasquez/USA Today Sports
Die Los Angeles Dodgers (hier Clayton Kershaw) dürften wohl nur schwer zu schlagen sein. - © Gary A. Vasquez/USA Today Sports

New York. Das mit der Uhr hat das Spiel schon immer von allen anderen unterschieden. Bis es den Leuten so richtig aufgefallen ist, hat es aber scheinbar bis heute gedauert. Im Profisport des 21. Jahrhunderts stellt die gänzliche Abwesenheit von Zeitdruck, quasi philosophisch betrachtet, einen Antagonismus dar, eine potenzielle Zumutung: Wer hat heutzutage - die Anreise ins Stadion nicht miteingerechnet - noch drei, vier, fünf Stunden Zeit um sich ein Spiel anzuschauen? Die Antwort der Major League Baseball (MLB): Mehr als genug, um das Geschäft nicht nur am Laufen zu halten, sondern Maßnahmen zu ergreifen, die das Geschehen auf dem Spielfeld gar noch zusätzlich künstlich verlängern, auf dass auf den Rängen noch mehr Hot Dogs und Chips und Soft Drinks verkauft werden.

Rund 2400 Spiele umfasst eine komplette Baseball-Saison. Im Schnitt strömten im vergangenen Jahr 30.514 Menschen zu mindestens einem davon. Außer der gemeinsamen Liebe zur traditionellsten aller traditionellen Sommersportarten Amerikas eint sie wenig abgesehen vom Glauben an eine prinzipielle Gerechtigkeit da unten auf dem Spielfeld, die den wenigsten von ihnen im richtigen Leben widerfährt. Genau an diesem Punkt entschloss sich MLB-Comissioner Bud Selig jetzt anzusetzen. Den Ratschlägen eines von ihm selbst eingesetzten Weisenrates folgend, wird in den zwei höchsten Spielklassen des Landes (American und National League) ab Sonntag, wenn die neue Saison offiziell Eröffnung feiert, ein Videoüberwachungssystem eingeführt; das soll künftig dafür sorgen, dass falsche Schiedsrichterentscheidungen stante pede korrigiert werden. Was im American Football, im Basketball und im Eishockey teilweise seit Jahrzehnten Usus ist, stellt im Baseball nicht weniger als eine kleine Revolution dar. Den Cheftrainern der 30 Teams räumt die Innovation unter anderem das Recht auf "Challenges" von dem ein, was vormals als Tatsachenentscheidungen bekannt war. Skeptiker fürchten freilich, dass diese Maßnahmen die durchschnittliche Dauer eines MLB-Spiels - 2013 lag nämliche bei knapp unter drei Stunden - unnötig verlängern wird. Man wird sehen. Und wenn’s nicht hinhaut, werden sich Selig und Co. halt an das Motto der Chicago-Cubs-Fans erinnern, das da sinngemäß lautet: "Warten wir, was nächstes Jahr passiert."

Die Millionen rollen


Die Cubs gelten heuer wie in den rund hundert Jahren zuvor (der letzte World-Series-Erfolg gelang 1908) definitiv nicht als Anwärter auf den Einzug ins Endspiel, ja nicht einmal auf die Play-offs. Allen Expertenmeinungen zufolge gibt es heuer in der Frage nach dem wahrscheinlich besten Baseballteam der Welt nur eine Antwort: die Los Angeles Dodgers. In der vergangenen Spielzeit noch knapp am Finalteilnehmer St. Louis Cardinals gescheitert, hat ihr Eigentümer, die Guggenheim Baseball Management Group unter dem Vorsitz des ehemaligen Basketball-Superstars Earvin "Magic" Johnson, mit Abermillionen von Dollars den Kern der Mannschaft zusammengehalten, auf dass ihr heuer der ultimative Erfolg gelinge. Wenn sie alle halbwegs gesund bleiben, wird kein Weg an Leuten wie Pitcher Clayton Kershaw, Adrian Gonzalez und dem jungen Kubaner Yasiel Puig vorbeiführen.